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Franz Egon Steinberg

Stübelallee 7h, Johannstadt

HIER WOHNTE
FRANZ EGON
STEINBERG
JG 1925
DEPORTIERT 1943
AUSCHWITZ
1943 ZWANGSARBEIT
GHETTO WARSCHAU
1944 DACHAU
BEFREIT



Weitere Stolpersteine in Stübelallee 7h:
Kussi, Olga
Kussi, Viktor
Kussi, Werner Franz
Steinberg, Nelly
Steinberg, Stefan Manfred

Franz Steinberg wurde am 25. November 1925 in Düsseldorf geboren. Er war der jüngste Sohn von Nelly (geb. Kussi) und Eugen Steinberg. Die Steinbergs waren eine reformorientierte jüdische Familie. Nachdem sich die Eltern 1930 hatten scheiden lassen, zog Franz mit seinem Bruder Stefan und seiner Mutter nach Dresden.
Familie Steinberg lebte bei Franz‘ Großeltern, Edmund und Olga Kussi in der Haenelstraße 1. Er ging auf die Kreuzschule in Dresden, wie bereits seine beiden Onkel und sein Bruder. Er galt als herausragender Schüler und ambitionierter Sportler. Franz wurde mit vierzehn Jahren 1939 gezwungen, die Kreuzschule zu verlassen, nachdem ein antisemitisches Gesetz Jüdinnen und Juden den Schulbesuch verbot. In der Folge gelang es der Familie, seinem älteren Bruder Stefan die Flucht nach England zu ermöglichen. Franz‘ Onkel, Werner und Viktor Kussi, und seine Großmutter Olga, welche tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit waren, gelang es dadurch, Visa für eine Flucht aus Deutschland zu erlangen. Sie hofften nach England zu gelangen und dort die nötigen Papiere zu erhalten, um auch Franz und seine Mutter Nelly nachholen zu können. Nelly Steinberg hatte durch Heirat die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.
1941 mussten Franz und seine Mutter in ein sogenanntes Judenhaus ziehen und wurden zur Zwangsarbeit in einem Unternehmen gezwungen, das Rüstungsgüter für den Krieg produzierte. Für ein Jahr lebten sie in einer Einraumwohnung und es gab oft nicht genügend zu essen. 1942 wurde Franz‘ Mutter verhaftet und anschließend in das KZ Ravensbrück deportiert. Mit 16 war er damit auf sich allein gestellt. Im Oktober 1942 erreichte Franz die schreckliche Nachricht, dass seine Mutter in Auschwitz ermordet wurde. Bis März 1943 wurde er weiter zur Zwangsarbeit gezwungen. Schließlich wurde auch er nach Auschwitz-Birkenau deportiert.
Er gehörte einige Monate nach seiner Ankunft in Auschwitz zu den vielen jungen jüdischen Männern, die nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto dazu gezwungen wurden, die Leichname von Ermordeten, den Schutt und alles was noch übrig war, zu beseitigen. In dieser Zeit erkrankte er an Typhus und war bei der anschließenden Behandlung medizinischen Experimenten ausgesetzt, die an jüdischen Gefangenen vorgenommen wurden. Franz fand in den Resten des Ghettos in Warschau jüdischen Schmuck, den er gegen Essen tauschen konnte. Er konnte damit auch die deutsche Wache bestechen, um nicht nach Auschwitz zurückgebracht zu werden. Oft hat er gesagt, dass ihm dies letztlich das Leben gerettet hatte. Ende 1944 wurde er in das KZ Dachau gebracht.
Dort wurde Franz Ende April 1945 schließlich befreit. Im Juni war er so weit wieder zu Kräften gekommen, dass es ihm gelang, nach Prag zu reisen. Er hoffte, dort Informationen über den Verbleib seiner Familie zu erhalten. Tatsächlich erfuhr er dort, dass möglicherweise einer seiner Onkel überlebt hatte und nach Dresden gereist war. Am Ende kam Franz drei Tage später als sein Onkel Werner Kussi in Dresden an. Dort hatte die Familie vor dem Krieg das Unternehmen Rheostat besessen, das von Nazis enteignet worden war. Werner Kussi erhielt dieses Unternehmen nun zurück. Franz fand schließlich seinen Onkel in der alten Fabrik. Sie waren die einzigen Überlebenden der Familie Kussi.
Werner und Franz entschlossen beide, dass Franz seine Ausbildung abschließen musste. Deshalb suchte sein Onkel ihm einen Privatlehrer. Mit ihm gelang es Franz, in nur sechs Monaten den Unterrichtstoff mehrerer Jahre nachzuholen. 1946 legte er sein Abitur an der städtischen Oberschule für Mädchen und Jungen ab und schrieb sich an der Technischen Universität Berlin ein. 1949 erhielt er ein Stipendium für das Massachusetts Institute of Technology in den USA, wo er 1955 seine Promotion in den Ingenieurwissenschaften abschloss. Eigentlich hatte er gehofft, nach seinem Abschluss zu seinem Onkel nach Dresden zurückzukehren. Aber es kam anders. Unter dem kommunistischen Regime war Werner Kussi mit seiner Familie gezwungen, erneut zu fliehen. Sie emigrierten 1954 in die USA.
Hier heiratete Franz Fee Dinger, die er während des Studiums in Berlin kennengelernt hatte. Ihre Familie hatte Jüdinnen und Juden während des Krieges versteckt. Franz hat oft erzählt, dass sie die erste Deutsche war, bei der er das Gefühl hatte, er könne ihr vertrauen. Nach ihrer Heirat zogen sie nach Seattle und er änderte seinen Namen in Frank Stevens, da er keinen deutsch klingenden Namen mehr tragen wollte. 1960 starb Franz Steinberg an Krebs. Sein Arzt erkläre, dass die Erkrankung eine Spätfolge seiner Zeit in Konzentrationslagern und der medizinischen Experimente war, an denen er teilnehmen musste. Franz Steinberg hinterließ zwei Kinder, David und Jude Stevens.
Steffen Heidrich veranlasste 2020 die Verlegung der Stolpersteine für Familie Kussi. Er stieß im Zuge seiner Doktorarbeit auf Werner Franz Kussi, der nach 1945 ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Dresdens war.

Autorschaft:
Familie Warren, Michigan (USA), Nachfahren von Werner Franz Kussi. (Übersetzt aus dem Englischen von Steffen Heidrich.)

Putzpate:
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