Viktor Kussi
Stübelallee 7h, JohannstadtHIER WOHNTE
DR. VIKTOR KUSSI
JG 1897
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.10.44
AUSCHWITZ
Weitere Stolpersteine in Stübelallee 7h:
Kussi, Olga
Kussi, Werner Franz
Steinberg, Nelly
Steinberg, Stefan Manfred
Steinberg, Franz Egon
Viktor Kussi wurde am 15. September 1897 in Wien geboren. Seine Eltern Olga (geb. Langer) und Edmund Kussi waren deutschsprachige Juden aus Böhmen. Viktor war das mittlere von drei Kindern. Seine ältere Schwester Nelly wurde 1896 geboren, sein jüngerer Bruder Werner 1910. Die Familie Kussi zog 1905 nach Dresden. Sein Vater baute hier das Unternehmen Rheostat auf.
Viktor besuchte die Kreuzschule bis er 17 Jahre alt war. Als der 1. Weltkrieg begann, wurde er in die österreichische Armee eingezogen und schloss dort seine Schule ab. Er war einer der jüngsten Offiziere, die in Albanien ihren Dienst taten. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg studierte er an der Universität Leipzig Jura und schloss sein Studium mit der Promotion ab. Während dieser Zeit war er ein überzeugter und aktiver Sozialist, wogegen sein Vater nichts einzuwenden hatte. Im Gegenteil, er sagte ihm, jeder junge Mensch müsse Sozialist sein. 1921 kehrte er nach Dresden zurück, wo er in das Familienunternehmen einstieg und im elterlichen Haus lebte. Ebenso wie sein Bruder blieb er bis 1938 in Dresden. Gemeinsam führten sie das Unternehmen, nachdem ihr Vater 1936 gestorben war. Nach der Pogromnacht im November 1938 war es ihnen verboten, die Fabrikgebäude ihres eigenen Unternehmens zu betreten. Schließlich wurden sie zur Aufgabe des Geschäfts gezwungen. Sie erhielten keine Entschädigung.
Der Familie gelang es, Visa nach England zu erhalten, da sie tschechoslowakische Staatsbürger waren und sie konnten Deutschland 1939 verlassen. Sie erreichten Holland nur kurz vor der deutschen Invasion Polens und waren nach Kriegsausbruch nicht mehr in der Lage, nach England zu gelangen. Bis 1942 lebten sie in Holland, dann wurden sie zusammengetrieben, verhaftet und schließlich ins KZ Westerbork deportiert, das als Transitlager in Holland lag. Von dort aus wurde die ganze Familie ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Ironischerweise fuhren sie in einem Personenwage und wurden nicht gleich in die Vernichtungslager geschickt, da Viktor als Offizier an der deutschen Seite während des ersten Weltkrieges gedient hatte. In beiden Lagern gelang es der Familie zusammenzubleiben. Sie lebten auf engstem Raum, hatten nicht genug zu essen und ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. In Theresienstadt unterrichtete Viktor Schülerinnen und Schüler und musste in einer Fabrik arbeiten. Hier im Ghetto traf Viktor auch viele seiner Cousins und Cousinen wieder, die später alle in Auschwitz ermordet wurden. Auch ihn und seine Familie ereilte schließlich dieses Schicksal. Am 28. Oktober 1944 wurde Viktor mit seiner Mutter nach Auschwitz deportiert und am 30. Oktober unmittelbar nach der Ankunft vergast. Sie waren auf dem letzten Transport, der Theresienstadt Richtung Osten verließ.
Viktor war hochintelligent und belesen. Er kannte Goethes Faust und Shakespeare auswendig und unterhielt Freunde und Familie mit seinen Rezitationen. Regelmäßig fuhr er für Konzerte nach Berlin und war ein Stammgast in der Semperoper in Dresden. Er reiste auch gerne und nahm regelmäßig seinen jüngeren Bruder mit. Sein Lieblingsziel war Albanien, wo er seinen Bruder mit Geschichten aus der Zeit des Krieges unterhielt. Seine Anerkennung für das deutsche Recht wurde auch durch den Aufstieg der Nazis nicht gebrochen. Noch bis zur Pogromnacht 1938 glaubte er an die Rechtssicherheit für Jüdinnen und Juden. Einen kleinen Teil seines Nachlasses entdeckte sein Neffe, Eduard Kussi, später, als er in der Universität von Michigan ebenfalls Recht studierte. Es war Viktors Doktorarbeit – sie stand in der Rechtsbibliothek der Universität.
Steffen Heidrich veranlasste 2020 die Verlegung der Stolpersteine für Familie Kussi. Er stieß im Zuge seiner Doktorarbeit auf Werner Franz Kussi, der nach 1945 ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Dresdens war.
Autorschaft:
Familie Warren, Michigan (USA), Nachfahren von Werner Franz Kussi. (Übersetzt aus dem Englischen von Steffen Heidrich.)
Putzpate:
bereits vergeben
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