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Olga Kussi

Stübelallee 7h, Johannstadt

HIER WOHNTE
OLGA KUSSI
GEB. LANGER
JG 1874
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.10.44
AUSCHWITZ



Weitere Stolpersteine in Stübelallee 7h:
Kussi, Viktor
Kussi, Werner Franz
Steinberg, Nelly
Steinberg, Stefan Manfred
Steinberg, Franz Egon

Olga Langer Kussi wurde am 18. Juli 1874 in der böhmischen Stadt Brüx (heute Tschechisch Most) geboren. Sie wuchs in einer liberalen jüdischen Familie auf, die Deutsch sprach. Olga war das zweite von fünf Kindern des Ehepaares Anna und Siegfried Langer. Beide gehörten einer Familie an, die seit Generationen einerseits Bankiers am Hofe der Herzöge des Landes waren und andererseits mit Getreide handelten. Nachdem Olga die Gesamtschule beendet hatte, ging sie im Alter von siebzehn Jahren für das Abitur nach Dresden.
1894 trafen sich die Eltern von Olga und ihres zukünftigen Mannes in Bad Reichenhall und arrangierten ein Treffen der beiden. Obwohl Olga arrangierte Ehen ablehnte, verliebte sie sich schlussendlich in ihren künftigen Ehemann Edmund Kussi. Die beiden heirateten im September 1895 und lebten zunächst in Wien, wo ihre beiden Kinder Nelly (1896) und Viktor (1897) geboren wurden. Edmund war ein Geschäftsmann, der für verschiedene Unternehmen in Wien arbeitete. 1905 zog die Familie nach Dresden. Dort gründete Edmund 1909 das Unternehmen Rheostat, welches sich über zwei Jahrzehnte zu einem führenden Unternehmen der elektrischen Zulieferindustrie entwickelte. 1910 wurde schließlich ihr jüngster Sohn Werner geboren.
Zunächst lebte die Familie in der Werderstraße, später in der Bergstraße. 1931 schließlich zogen sie in eine Stadtvilla auf der Haehnelstraße 1, nahe dem Großen Garten. Olga und Edmund förderten die Ausbildung ihrer Kinder mit dem Ziel, beide Söhne auf die Übernahme und Fortführung des Familienunternehmens vorzubereiten. In ihrer Freizeit ging die Familie oft ins Theater oder zu Konzerten. Olga galt als wundervolle Gastgeberin und prächtige Unterhaltungskünstlerin bei Freunden. Die Kussis waren bekannt dafür, an jedem Samstag die Zinzendorfstraße – damals eine Einkaufsstraße nahe des Bühlerparks – entlangzuflanieren und in einem der Cafés bei Kaffee und Kuchen zu verweilen. Edmund Kussi starb 1936 durch Komplikationen bei einer Operation.
Bis zum August 1939 blieb Familie Kussi in Dresden, bis die Lage für sie zu bedrohlich wurde. Bereits nach der „Pogromnacht“ vom 9./10. November 1938 war das Familienunternehmen von den Nazis enteignet worden. Olga und ihren beiden Söhnen gelang es immerhin, Visa zu erhalten und sie hofften, nach England fliehen zu können. Bevor sie die Niederlande Richtung London verlassen konnten, brach jedoch der Krieg aus und die Grenzen waren geschlossen. Während Olga und ihre Söhne weiterhin tschechischer Staatsbürgerschaft waren, hatte ihre Tochter Nelly diese durch die Heirat verloren und konnte Deutschland deshalb nicht verlassen. Die Familie hatte noch gehofft, sie nach ihrer Ankunft in England nachholen zu können. Der Krieg machte diese Hoffnung zunichte. In den Niederlanden erreichte Olga ein Brief ihres Enkels Franz, dass Nelly ermordet worden war.
Olga, Viktor und Werner lebten in den Niederlanden, bis sie im September 1942 verhaftet wurden. Zunächst waren sie im KZ Westerbork interniert, ein Zwischenlager in den Niederlanden. Schließlich wurden sie 1943 nach Theresienstadt deportiert. Es gelang ihnen zunächst, zusammen zu bleiben. Ihnen wurden gemeinsam kleine Räume zugewiesen, die sie zeitweilig mit weiteren Familien teilen mussten. Olgas Sohn Werner, der den Holocaust überlebt hat, erzählte später, dass sie während ihrer Zeit in den Lagern eine starke selbstbestimmte Frau geblieben war. Olga – so berichtete Werner – nutze ihren Charme, um auf dem Schwarzmarkt an Essen zu gelangen, und war eine tröstende Stütze für viele junge Jüdinnen und Juden, die ihre Familien verloren hatten.
Schließlich wurde Werner nach Auschwitz deportiert. Die Familie sah einander zuletzt im September 1944. Auch Viktor und Olga wurden schließlich auf einem der letzten Transporte am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. Sie und ihr Sohn Viktor wurden sofort bei ihrer Ankunft selektiert und direkt in der Gaskammer ermordet. Sie starben am 30. Oktober 1944.
Werner erinnerte sich an seine Mutter als an eine liebevolle, gütige und treue Frau. Er sprach oft über ihren besonderen Sinn für Humor und ihre Güte. Sie hatte einen starken Gerechtigkeitssinn und trat für diejenigen ein, die weniger Glück im Leben hatten. Ihr Sohn Werner und ihr Enkel Franz Steinberg überlebten den Holocaust. Sie emigrierten in den 1950er Jahren in die USA. Olga Kussi hinterließ vier Enkel und sechs Großenkel.
Steffen Heidrich veranlasste 2020 die Verlegung der Stolpersteine für Familie Kussi. Er stieß im Zuge seiner Doktorarbeit auf Werner Franz Kussi, der nach 1945 ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Dresdens war.

Autorschaft:
Familie Warren, Michigan (USA), Nachfahren von Werner Franz Kussi. (Übersetzt aus dem Englischen von Steffen Heidrich.)


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