Stefan Manfred Steinberg
Stübelallee 7h, JohannstadtHIER WOHNTE
STEFAN MANFRED
STEINBERG
JG 1923
FLUCHT 1939
ENGLAND
ENGLISCHER SOLDAT
TOT 9.4.1945
BEI HANNOVER
Weitere Stolpersteine in Stübelallee 7h:
Kussi, Olga
Kussi, Viktor
Kussi, Werner Franz
Steinberg, Nelly
Steinberg, Franz Egon
Stefan Manfred Steinberg war der älteste Sohn der jüdischen Eltern Nelly Kussi Steinberg und Eugen Steinberg. Er wurde am 9. April 1923 in Düsseldorf geboren. Nach der Trennung seiner Eltern zog er mit seiner Mutter und seinem Bruder Franz nach Dresden, wo sie bei der Familie seiner Mutter wohnten. Stefan besaß ein leuchtendes Gemüt, er war sehr ehrgeizig in der Schule, besaß einen glänzenden Humor und liebte es, Streiche zu spielen. Er besuchte die Kreuzschule in Dresden, wo auch schon seine beiden Onkel ihren Abschluss gemacht hatten. Aufgrund der antisemitischen Gesetze wurde er 1938 vom Schulunterricht ausgeschlossen und konnte danach zunächst seine Ausbildung nicht fortsetzen.
Jüdinnen und Juden sahen sich nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 einer zunehmenden Gefahr ausgesetzt. Stefans Familie gelang es, für ihn die Emigration nach England zu erreichen, wo er bei Verwandten der Familie unterkam. Er lebte bei seiner Großtante Frieda Spitz und ihrem Mann Carl sowie seinen beiden Cousins Fritz und Heiner Langer. Sie waren zwei Tage nach der deutschen Angliederung Böhmens im Herbst 1938 nach England geflohen und lebten nun in London. Hier erfuhr Stefan 1942, dass seine Mutter, seine Brüder, seine Onkel und seine Großmutter verhaftet und deportiert worden waren. Über das weitere Schicksal seiner Familie blieb er zu Lebzeiten im Unklaren.
Stefan trat mit 20 Jahren in das Royal Welch Fusilier Regiment der britischen Armee ein. 1944 änderte er seinen Namen in Stephen Michael Stormont, um im Falle seiner Gefangennahme in Deutschland nicht als deutscher Jude erkannt zu werden. Er wurde Ende 1944 an die deutsche Front gesendet und kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 in der Nähe von Hannover getötet. Auf seinem letzten Urlaub von der Front im Dezember 1944 schrieb er einen Brief an seine Großmutter und die beiden Onkel. Darin brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, seine Familie wiederzufinden oder zumindest, dass sein Brief lebend erreiche. Er schrieb:
„Der Gedanke, dass ich nicht zurückkommen könnte, geht mir nur sehr langsam in den Kopf, aber ich bin mit offenen Augen in dieses abscheuliche Geschäft gegangen, ganz abgesehen von den idealistischen Gründen glaube ich, dass ich am besten in Euren und Mutters und Franz‘ Interesse handle. […] Für Mutti wird dieser Schlag besonders furchtbar sein.“
Bis auf seinen Bruder Franz Steinberg und seinen Onkel Werner Kussi wurden alle näheren Familienmitglieder ermordet.
Steffen Heidrich veranlasste 2020 die Verlegung der Stolpersteine für Familie Kussi. Er stieß im Zuge seiner Doktorarbeit auf Werner Franz Kussi, der nach 1945 ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Dresdens war.
Autorschaft:
Familie Warren, Michigan (USA), Nachfahren von Werner Franz Kussi. (Übersetzt aus dem Englischen von Steffen Heidrich.)
Putzpate:
bereits vergeben
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