Nelly Steinberg
Stübelallee 7h, JohannstadtHIER WOHNTE
NELLY STEINBERG
GEB. KUSSI
JG 1896
DEPORTIERT 1942
RAVENSBRÜCK
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 15.11.1942
Weitere Stolpersteine in Stübelallee 7h:
Kussi, Olga
Kussi, Viktor
Kussi, Werner Franz
Steinberg, Stefan Manfred
Steinberg, Franz Egon
Nelly Steinberg (geb. Kussi) wurde am 16. Mai 1896 in Wien geboren. Sie war das älteste Kind der böhmisch-jüdischen Familie Olga und Edmund Kussi. Ihr folgten die zwei jüngeren Brüder Viktor, der 1897 ebenfalls in Wien, und Werner, der 1910 in Dresden geboren wurde. Dorthin zog die Familie 1905. Ihr Vater, Edmund, gründete 1909 das erfolgreiche Unternehmen Rheostat. Er starb bereits 1936.
Nelly arbeitete für das Rote Kreuz und besuchte die Technische Hochschule während des 1. Weltkrieges. 1921 heiratete sie Eugen Steinberg und zog mit ihm nach Düsseldorf. Sie hatte zwei Kinder. Stefan wurde 1923 geboren und Franz 1925. Aufgrund ihrer Heirat wurde sie deutsche Staatsbürgerin. Ihre Ehe war jedoch schwierig und sie verließ deshalb ihren Mann und kehrte mit ihren Kindern Anfang 1930 Jahre nach Dresden zurück, wo sie gemeinsam mit ihren Eltern in der Haenelstraße 1 wohnte. Ihr Ehemann starb 1931.
Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus in den 1930er Jahren und der Einführung antisemitischer Gesetze verwandelte sich ihre Situation ins Elend. Ihre Kinder wurden gezwungen, die Schule zu verlassen und aufgrund ihrer deutschen Staatsbürgerschaft gelang es ihr nicht, Auswanderungspapiere zu erhalten. Ihre Brüder und ihre Mutter waren zu diesem Zeitpunkt immer noch tschechoslowakische Staatsbürger. Es gelang ihr zwar, die Auswanderung ihres älteren Sohnes Stefan zu Verwandten nach England zu erreichen, aber sie und ihr Sohn Franz blieben zurück in Deutschland. Ihre Brüder entschieden sich, ebenfalls nach England zu fliehen, um von dort die notwendigen Visa für Nelly und ihren Sohn zu erlangen. Im August 1939 verließen sie mit ihrer Mutter Olga Deutschland. Doch bevor sie England erreichen konnten, brach der Krieg aus. Nelly und Franz waren in Dresden gestrandet.
Sie wurden beide 1941 gezwungen, in eines der sogenannten Judenhäuser der Stadt zu ziehen. Im Januar 1942 wurde Nelly Steinberg verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert, das im Norden von Deutschland lag. Ihren sechszehn Jahre alten Sohn musste sie zurücklassen. Sie erlebte die Schrecken des KZ Ravensbrück bis Herbst 1942. Im November wurde sie in einen Viehwagen gepfercht, nach Auschwitz deportiert und unmittelbar von der Rampe in die Gaskammer geschickt. Sie starb am 15. November 1942.
Nellys Sohn Franz, der ebenfalls in das KZ Auschwitz deportiert wurde, hat überlebt und emigrierte später in die USA. Ihr Sohn Stefan fiel als Soldat der britischen Armee im Kampf gegen die deutschen Truppen kurz vor Kriegsende im April 1945. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nichts über den Tod seiner Mutter. Sein letzter Brief an seine beiden Onkel von der Front, der im Falle seines Todes abgeschickt werden sollte, war von Gedanken an seine Mutter geprägt. „Für Mutti wird dieser Schlag besonders furchtbar sein.“ Franz aber wusste vom Tod seiner Mutter vor seiner Deportation und konnte seine Großmutter und seine Onkel noch hierüber informieren.
Nelly galt als besonders charmante Frau. Sie liebte es zu tanzen und besuchte Tanzstunden als Kind. Sie reiste vor der Machtergreifung Hitlers regelmäßig nach Bad Reichenwald. Ihr Bruder Werner erzählte, dass sie für ihn immer die schönste Frau im Raum war und dass ihr Sinn für Humor und ihr einnehmendes Wesen alles übertraf. Er machte ihr das größte Kompliment, indem er sie mit ihrer gemeinsamen Mutter verglich. Sie hinterließ zwei Enkel und mehrere Urenkel, die in den USA leben.
Steffen Heidrich veranlasste 2020 die Verlegung der Stolpersteine für Familie Kussi. Er stieß im Zuge seiner Doktorarbeit auf Werner Franz Kussi, der nach 1945 ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Dresdens war.
Autorschaft:
Familie Warren, Michigan (USA), Nachfahren von Werner Franz Kussi. (Übersetzt aus dem Englischen von Steffen Heidrich.)
Putzpate:
bereits vergeben
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