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Gustav Agunte

Hauptstraße 19, Innere Neustadt

HIER WOHNTE
GUSTAV AGUNTE
JG. 1887
1942 AUSSCHLUSS AUS DER
REICHSMUSIKKAMMER
BERUFSVERBOT
ÜBERLEBT



Weitere Stolpersteine in Hauptstraße 19:
Agunte, Anna Erna

Gustav Agunte wurde am 15. Juni 1887 in Neiße (heute: Nysa in Polen) geboren.
Am 18. Mai 1912 heiratete er in Dresden Anna Erna Agunte geb. Lauffer.
Sie wurde am 6. Juli 1894 in Dresden geboren. Sie bekamen drei Kinder: Annelies (* 31.10.1917), Heinz (* 01.09.1913) und Rolf-Günther (* 23.04.1921). Anna Erna Agunte war Jüdin, ihr Mann jedoch nicht, was der Familie in der Nazi-Zeit zunächst Schutz bot.
Gustav Agunte erlangte Bekanntheit durch die Mitteldeutsche Rundfunk AG (MIRAG) in Leipzig, einem vielzitierten “Konzertsender“ unter den deutschen Rundfunkgesellschaften der Weimarer Zeit. Im Frühjahr 1925 entschloss sich die Leitung der Dresdner Nebenstelle, ein ständiges kleines Orchester unter Leitung des Kapellmeisters und Geigers Gustav Agunte aufzubauen. Die meisten Auftritte verzeichnet die Statistik für Unterhaltungsmusik im Rahmen der Mittags- und Nachmittagskonzerte. Für Kammeropern, Operetten und Singspiele wurde das Orchester durch die Mitglieder des Dresdner Streichquartetts und freie Musiker verstärkt.
Der Programmabbau des Sender Dresden begann 1929 mit der Trennung von der Kapelle Agunte. Schon am 17 September 1928 kündigte Dr. Erwin Jaeger auf einer Sitzung des Kulturellen Beirats an, dass die Kapelle aufgelöst werden solle. In der gleichen Sitzung warnte der Vorsitzende des Arbeiter-Radio-Bundes Dresden, Alfred Althus, vor der Auflösung, was jedoch Fritz Kohl, der kaufmännischen Leiter der MIRAG, damit abtat, dass die Dresdner Leistung „Kaffehausmusik“ sei. Im Jahr darauf reduzierte man die Dresdner Sendestelle weiter und betraute dortige Mitarbeiter mit anderen Aufgaben, so musste sich der Literarische Leiter Kurt Arnold Findeisen z. B. um den Schulfunk kümmern. Letzten Ausschlag für das Ende des Nebensenders Dresden gab der Wechsel des musikalischen Leiters Theodor Blumer, der nach dem politisch motiviertem Rauswurf Alfred Szendreis 1933 in die Führung der musikalischen Leitung der MIRAG in Leipzig aufstieg.
Es ist wenig bekannt über Gustav Aguntes weitere Tätigkeit, jedoch ist eine Ankündigung in der DNN vom 21.12.1937 erhalten geblieben, wo das Konzert-Kaffee Hülfert annoncierte: „Heute Gastspiel Gustav Agunte und sein Orchester“.
Als Gatte einer Jüdin musste Gustav Agunte Demütigungen und die Beschneidung seiner Rechte erfahren. Am 8. April 1942 wurde er aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen.
Seine Frau wurde zu Zwangsarbeit in der Dresdner Kartonagenfabrik Bauer verpflichtet, wo sie Mitte Mai 1944 mitten aus der Arbeit heraus von der Gestapo „geholt“ wurde, wie Viktor Klemperer am Freitag, dem 19. Mai 1944 in sein Tagebuch schreibt. Seit dem 29. Juli 1944 wurde sie dann als Häftling in Auschwitz geführt. Anfang Januar 1945 erhielt Gustav Agunte ein Telegramm. Danach sei seine Ehefrau am 4. Januar im Häftlingskrankenbau verstorben, angeblich an Herzversagen. Anna Erna Agunte wurde 50 Jahre alt. Ihre Mutter Johanna Klemich, die auch im Haushalt Agunte lebte, wurde am 21. Juni 1943 nach Theresienstadt deportiert, konnte aber die Befreiung 1945 erleben.
Nach dem 8. Mai 1945 suchten die überlebenden Musiker in Dresden bei den ersten wieder erbauten Spielstätten unterzukommen. Konzessionen und Engagements waren hart umkämpft. Damit die schwer arbeitende Bevölkerung Zerstreuung fand, duldeten die Machthaber der SBZ neben den staatlichen Theatern zunächst auch private Kulturbetriebe, deren „überkommene bürgerliche Ausrichtung auf ideologiefreie Unterhaltung“ die kulturellen Bedürfnisse eines großen Teiles der Dresdner befriedigte.
So fand am 10. August 1945 18:30 Uhr in der Konzertmuschel im Kurpark „Weißer Hirsch“ das 1. Wohltätigkeitskonzert statt mit dem "Großen Dresdner Rundfunkorchester" unter Gustav Ag-unte und dem Dresdner Rundfunk-Tanzorchester unter seinem Sohn Rolf. Die Kapelle von Rolf Agunte wird bei einer Auflistung über Tanzmusik in der DDR erwähnt mit 8 Anzeigen in der SZ im Zeitraum 1945-1947 und dem Vermerk „15-20 Musiker, zeitweise Rundfunkorchester im Sender Dresden, später Leitung einer der Besetzungen von Josef Ihm“.
Nach der Gründung der SED 1946 wurde die Überwachung des gesamten Kultursektors in der SBZ verstärkt, wodurch letztlich das baldige Ende privater Kulturbetriebe besiegelt war.
Am 10. Januar 1947 starb Gustav Agunte im Alter von 59 Jahren in Dresden.

Die Verlegung der Stolpersteine für Anna Erna und Gustav Agunte wurde 2024 von objekt klein a e.V. initiiert.

Quellen:
Permanente URL im LexM [Stand 14. Juli 2017]: https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00006452

Sender Dresden 1924 – RundfunkSchätze (rundfunkschaetze.de)

DNN vom 21.12.1937: 00000014.tif.pdf (slub-dresden.de)

Historische Adressbücher Dresden 1938- 1942 https://adressbuecher.sachsendigital.de/

Gedenkbuch
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/

Buch der Erinnerung, Juden in Dresden- deportiert, ermordet, verschollen, 1933- 1945 Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. Arbeitskreis Gedenkbuch, 2006

Viktor Klemperer, Tagebücher, Eintrag „Freitag Nachm. 19. Mai 44“
https://www.degruyter.com/search?query=parentId%3A%28klemp%29+AND+%28Gustav+Agunte%29

Simon Bretschneider: Tanzmusik in der DDR - Dresdner Kapellen, 1945 bis 1959 (Stand 09/2018)
https://xn--populre-musik-im-osten-44b.de/wp-content/uploads/2019/02/Tanzmusik-in-der-DDR-Dresdner-Kapellen-1945-bis-1959-von-Simon-Bretschneider.pdf



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