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Anna Erna Agunte

Hauptstraße 19, Innere Neustadt

HIER WOHNTE
ANNA ERNA
AGUNTE
GEB. LAUFFER
JG. 1894
ZWANGSARBEIT
KARTONAGENFABRIK BAUER
DEPORTIERT 1944
AUSCHWITZ
ERMORDET 4.1.1945



Weitere Stolpersteine in Hauptstraße 19:
Agunte, Gustav

Anna Erna Agunte wurde am 6. Juli 1894 als Anna Erna Lauffer in Dresden geboren. Sie heiratete Gustav Agunte am 18. Mai 1912. Die beiden hatten drei Kinder, Heinz (* 01.09.1913), Annelies (* 31.10.1917) und Rolf Günter (* 23.04.1921).
Dadurch bedingt, dass ihr Mann kein Jude war und als Rundfunkleiter des Dresdner Rundfunks eine gesellschaftlich anerkannte Stellung innehatte, standen Anna Erna Agunte und ihre Familie anfangs unter einem gewissem Schutz.
Am 8. April 1942 wurde Gustav Agunte, aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Es ist anzunehmen, dass dies aufgrund seiner jüdischen Frau geschah. Bis dahin war er als Geiger und mit dem nach ihm benannten „Orchester Agunte“ ein vielgefragter Musiker und Kapellmeister.
Seit April 1938 war durch die Ausscheidung von Jüd:innen aus dem deutschen Wirtschaftsleben, eine große Anzahl an jüdischen Menschen von Erwerbslosigkeit und Verarmung betroffen. In der Folge wurden sie zur Zwangsarbeit eingesetzt. Der Begriff der Zwangsarbeit suggeriert durch den Wortteil „Arbeit“, dass es sich um Arbeit zum Lebenserhalt handelt. Doch von den wenigen, wenn überhaupt, gezahlten Pfennigen ließ sich nicht leben. Die Arbeit umfasste 60 Wochenstunden.
Anna Erna Agunte wurde zusammen mit 20 anderen jüdischen Arbeiter:innen in die Kartonagen Fabrik Adolf Bauer zur Zwangsarbeit eingezogen. Hergestellt wurden Seifendosen für Apotheken. An Walzen wurden Pappen zusammengeklebt. Neben dem Tragen des gelben Judensterns, mussten die Arbeiter:innen auch gelbe Binden tragen, um sie besser von hinten erkennen zu können. Auch nichtjüdische Deutsche waren bei Adolf Bauer beschäftig. Sie hatten jedoch keinen Kontakt zu den Zwangsarbeiter:innen.
Die Arbeit fand im Akkord und in Tag- und Nachtschichten statt. Im Jahr 1944, nach zweiwöchiger Abwesenheit Adolf Bauers, kam dieser mit zwei Männern in langen Ledermänteln und Schlapphüten herein. Sie suchten Menschen aus und nahmen sie mit. Darunter Anna Erna Agunte.
„Wo ist die Jüdin Agunte?“ sagten sie.
Sie wurde leichenblass. Sie wusste genau was passieren würde.
Sie bat noch einmal auf die Toilette gehen zu dürfen. Ihre Leidensgenoss:innen in der Kartonagenfabrik Bauer, darunter Henny Brenner, welche diese Szene in ihrem Buch „Das Lied ist aus“ beschreibt, nahmen an, sie wollte sich vergiften.
Sie wurde daran gehindert.
Seit dem 29. Juli 1944 wurde sie als Häftling im Konzentrationslager Auschwitz geführt.
Ihre Mutter, Johanna Klemich wurde mit dem Transport V/9 aus Dresden in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und traf dort am 21. Juni 1943 ein. Sie erlebte die Befreiung. Anna Ernas Schwester, Elisabeth Klemich (ebenfalls geborene Lauffer) wurde am 11. Januar 1944 mit dem Transport V/10 nach Theresienstadt deportiert. Auch sie konnte am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit werden.
Anfang Januar 1945 erhielt Gustav Agunte ein Telegramm. Danach sei seine Ehefrau am 4. Januar im Häftlingskrankenbau verstorben, angeblich an Herzversagen.
Der Text lautete: „Befehlsgemäß wird ersucht, den Angehörigen Kenntnis zu machen, sowie ihnen bekannt zu geben, daß die Leiche auf Staatskosten eingeäschert und die Urne von Amtswegen im Urnenhain des hiesigen Krematoriums beigesetzt wird“.
Anna Erna Agunte war 50 Jahre alt, ihr Mann überlebte. Ihre letzte gemeinsame Anschrift war in Dresden, Hauptstraße 19, 1. Etage.

Die Verlegung der Stolpersteine für Anna Erna und Gustav Agunte wurde 2024 von objekt klein a e.V. initiiert.

Quellen:
https://www.stsg.de/cms/sites/default/files/upload/dokumente/pdf/ll_heft_9.pdf

http://audioscript.net/de/1_09.html

„Buch der Erinnerung. Juden in Dresden deportiert, ermordet, verschollen“, Hg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V., Arbeitskreis Gedenkbuch, Dresden 2006, S. 25.

Recherchen im Panstwowe Muzeum Auschwitz Birkenau 12.–15.10.2004.

http://www.tenhumbergreinhard.de/taeter-und-mitlaeufer/dresdner-transporte.html

https://www.holocaust-denkmal-berlin.de/raum-der-namen/biographien/biographie/5036

https://www.gedenkplaetze.info/taeter-innenspuren/adolf-bauer-kartonagen-profit-durch-zwangsarbeit

Klemperer Online - Tagebücher 1918-1959 Leidensgefährten (Herausgegeben von Walter Nowojski; Christian Löser)

Henny Brenner – „Das Lied ist aus“. Ein jüdisches Schicksal in Dresden. Zürich 2001

DDR-Justiz und NS-Verbrechen: Sammlung ostdeutscher Strafurteile ..., Band 1 herausgegeben von C. F. Rüter, L. Hekelaar Gombert, Dirk Welmoed de Mildt



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