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Sarah Lewin

Hoyerswerdaer Str. 1, Innere Neustadt

HIER WOHNTE
SARAH LEWIN
GEB. GRZEBINARZ
JG. 1874
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 17.10.1942



Weitere Stolpersteine in Hoyerswerdaer Str. 1:
Lewin, Julius

Sarah Lewin wurde am 21. November 1874 in Strasburg in Westpreußen (heute Brodnica, Polen) geboren. Ihr Geburtsname war Grzebinarz. Leider wissen wir nicht sehr viel aus ihrem Leben.
Nach der Eheschließung mit Julius Lewin führte sie den Haushalt und bekam mit ihm eine Tochter, Betty, und drei Söhne, Hermann, Leo und Alfred. Die Familie war orthodox religiös und aktiv in der jüdischen Gemeinde.
Betty heiratete in Gollub und blieb dort, während die Eltern mit den Söhnen und der Firma nach Dresden zogen. Sie bekam etwa 1925 einen Sohn, Harry. Die Familie versuchte, sich in der Umgebung von Gollub vor dem Naziterror zu verstecken, wurde aber entdeckt und nach Auschwitz deportiert. Über das Schicksal von Harry und seinem Vater ist nichts bekannt. Betty starb auf einem der Todesmärsche.
Leo emigrierte nach Kalifornien und Alfred in die Schweiz, wo er sein Medizinstudium fortsetzen konnte, beide schon kurz nach 1933.
Hermann war Mitinhaber der Firma Yramos und heiratete 1935 in Berlin Else Zorek, die in Posen (heute Poznan, Polen) geboren wurde. Die Familie war nach Magdeburg gezogen, als sie noch klein war, wo ihr Vater später eine große Lederfabrik führte.
Hermann und Else bekamen erst 1938 Visa für Dänemark und gingen bald in die USA.
Nachdem die Firma der Familie verkauft und die Söhne ins Exil gegangen waren, nahmen die Sorgen für Sarah noch zu, als ihr Mann 1941 ins Gefängnis kam. Er wurde zwar bald wieder entlassen, aber dann kam 1942 der Deportationsbefehl für den 22. September. Vor dem Abtransport wurden sie gezwungen, einen Heimeinkaufsvertrag zu unterschreiben, in welchem sie für ihre eigene Unterbringung als auch für die von weniger begüterten Personen im Ghetto Theresienstadt ihres gesamten Vermögens beraubt wurden in Höhe von 158.000,- RM, darin enthalten auch die Reichsfluchtsteuer von 81.000,- RM. Dies war eine der perfiden Verordnungen, durch die sich die SS bereicherte. Zuvor war ihr Haus auf der Kurfürstenstraße 11 ebenso wie die Nr. 22 des orthodoxen Vereins Schomre Hadas zum Judenhaus erklärt worden, wo jüdische Familien auf engstem Raum untergebracht wurden.
Sarah Lewin starb nach kurzer Zeit am 17. Oktober 1942 in Theresienstadt.
Ihr Mann Julius erlebte dort die Befreiung und folgte bald dem Sohn Hermann nach New York.

Die Verlegung des Stolpersteins für Sarah Lewin 2024 wurde von ihrer Enkelin angeregt.

Quellen:
Angaben der Angehörigen (Enkelin Joanie Lane, 2023)

Arbeitskreis Gedenkbuch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e. V. (2006): Buch der Erinnerung. Juden in Dresden: Deportiert, ermordet, verschollen. 1933-1945. Thelem Universitätsverlag Dresden, S. 221

Erik Lindner: Jüdische Unternehmer in der Dresdner Zigarettenindustrie in: Dresdner Hefte, Heft 45, 1/96, S. 55 ff.

Erik Lindner: Die Orientalische Tabak- und Zigarettenfabrik YRAMOS in: Spurensuche. Juden in Dresden, Hrsg.: HATIKVA, Dölling und Galitz Verlag, 2. Aufl. 1996, S. 60/61

Horst Busse / Udo Krause: Lebenslänglich für den Gestapokommissar, Staatsverlag der DDR Berlin 1988, S. 29

Bundesarchiv, Gedenkbuch für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

Datenbank Yad Vashem



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