Dr. Felix Popper
Ulrichstr. 7, LoschwitzHIER WOHNTE
DR. FELIX
POPPER
JG. 1858
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
TOT 28. AUG. 1937
Weitere Stolpersteine in Ulrichstr. 7:
Popper, Paula
Zobel, Anna
Felix Popper wurde als zweiter Sohn des Bankiers Nathan Popper (1809-1877) und seiner Ehefrau Bertha geb. Elb (1827-1912) am 19. Juni 1858 in Dresden geboren. Sein älterer Bruder Richard (1854-1879) war Chemiker und starb schon mit 25 Jahren in Görlitz, er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Dresden begraben.
Felix Popper studierte Jura und wurde am 4. Februar 1887 in das Anwaltsregister Dresden eingetragen. Er entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Juristen Dresdens. Neben seiner Anstellung im Justizministerium (Oberjustizrat) war er als freier Anwalt und Notar tätig, hatte seine Kanzlei in der Marschallstraße 3 (heute Rathenauplatz). Der promovierte Jurist war vielseitig engagiert, er war Aufsichtsratsvorsitzender in mehreren Unternehmen in Dresden (so auch in den Lingner-Werken) und in der Umgebung, aber auch weit darüber hinaus bis Kulmbach und Zittau, seine Tätigkeit als Stellvertreter oder Mitglied in Aufsichtsräten reichte bis Köthen, Grimma, Leipzig, Zwickau und Breslau.
Vor allem galt sein Engagement dem Nationalen, später Deutschen Hygienemuseum, dessen Entwicklung er maßgeblich mitprägte. Er war mit dem Gründer Karl August Lingner (1861-1916) befreundet, sein langjähriger Vertrauter und persönlicher Anwalt und einer der beiden Testamentsvollstrecker, gehörte zu den Gründungsmitgliedern und war einer der Stellvertreter Lingners, Aufsichtsratsmitglied der Aktiengesellschaft für hygienischen Lehrbedarf (Lehrmittelbetrieb des Hygienemuseums) und nach Lingners Tod einer der drei geschäftsführenden Vorstände, war in der Lingner-Stiftung 1916-1920 aktiv und Justiziar des Vereins. Er stiftete 1932 die Büste Max Pettenkofers für die Ehrengalerie berühmter Ärzte und Forscher.
Felix Popper heiratete am 1. Dezember 1888 Paula Weleminsky, die einer böhmischen Arztfamilie entstammte. Sie wohnten in ihrem Haus auf der Kaitzer Straße 11 und hatten später ihre Sommerresidenz auf der Ulrichstraße 7 (Villa Rosenstiel), besaßen auch das Nebenhaus Nr. 9. Ihre beiden Kinder waren Anna (geb. 1893) und Friedrich (geb. 1894). Friedrich/Fritz besuchte die Kreuzschule 1904-1912 und studierte Jura in Leipzig und Heidelberg, trat 1914 ins Heer ein und erwarb das Eiserne Kreuz 2. Klasse und die Friedrich-August-Medaille in Silber. Er starb im 1. Weltkrieg am 21. Oktober 1918 bei Razany in Serbien.
Durch die Nazi-Gesetzgebung ab 1933 wurde Dr. Felix Popper aus sämtlichen Ämtern gedrängt. 1933 trat der gesamte Vorstand des Deutschen Hygienemuseums zurück. Nach der vollzogenen Gleichschaltung verlor er auch seinen Posten im Lehrmittelbetrieb. Er hatte ein Visum für Südamerika erhalten, doch durch die Gestapo war ein Entmündigungsverfahren eingeleitet worden. Daneben lief noch ein trotz Verjährung wieder aufgenommenes Ehrengerichtsverfahren. 1928 hatte ihn ein Mandant wegen standeswidrigen Verhaltens angezeigt, die Klage war aber 1929 vom Oberlandesgericht als unbegründet abgewiesen worden. 1935 zeigte ihn der damalige Kläger erneut an, und obwohl der Streitgegenstand auf die Jahre 1921/22 zurückging, wurde ein neues Verfahren eröffnet. Die Klageerwiderung zeigte Felix Popper mit einer schlüssigen Argumentation eines voll geschäftsfähigen Juristen. Er soll noch am 22. Juli 1937 als Prozessbevollmächtigter tätig gewesen sein.
Die vermutlich von ihm selbst beantragten ärztlichen Atteste bescheinigen ihm seit Anfang 1937 ein Gefäßleiden und am 17. August einen Schlaganfall mit Halbseitenlähmung links. Dr. Felix Popper verstarb am 28. August 1937, fast zehn Monate nach seiner Ehefrau. Seine Urne wurde gemäß seiner Verfügung nahe am Grab seiner Mutter auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt und seine Inschrift auf ihrem Grabstein angebracht.
Die Verlegung des Stolpersteins 2024 initiierten und spendeten die heutigen Eigner des Hauses Ulrichstraße 7, Prof. Burkhard Jabs und Frau Dr. Katrin Jabs, die auch die Nachkommen von Anna Zobel (geb. Popper) ausfindig gemacht und umfangreich recherchiert haben.
Quellen:
Angaben der Angehörigen (Stefan und Liz Sobell/Großbritannien, Justin Zobel/Australien)
Historische Adressbücher Dresden 1927-1942
Adressbuch der Direktoren und Aufsichtsräte, Band 1, 1928 und 1933
http://hubertlang.de/wp-content/uploads/2018/aor dresden anwaelte juedischer herkunft.pdf
https://sammlung.dhmd.digital/object/fc445440-0625-45da-bd1d-5e72b71bd51f
Dissertation Thomas Steller Bielefeld 2014: Volksbildungsinstitut und Museumskonzern, Das Deutsche Hygienemuseum 1912-1930 (http://d-nb.info/1070371769/34, insbesondere S. 124,126,137,157,255,450/51
Auskünfte von: Deutsches Hygiene-Museum Dresden, HATIKVA e. V. (zu Grabinschriften auf dem Neuen Jüdischen Friedhof), Archiv der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, Dresdner Verein für Genealogie e. V., MyHeritage, Wikipedia
Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 19116 (Personalunterlagen sächsischer Behörden, Gerichte und Betriebe bis 1945, darin Teil Sächsische Anwaltskammer, ehrengerichtliches Verfahren Felix Popper
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