Details

Charlotte Eger

Wasastraße 7, Strehlen

HIER WOHNTE
CHARLOTTE EGER
GEB. HÖHLE
JG. 1904
VERHAFTET 10.10.1942
GEFÄNGNIS DRESDEN
ENTLASSEN 4.11.1942
FLUCHT
AUSTRALIEN



Weitere Stolpersteine in Wasastraße 7:
Eger, Rosa
Eger, Robert

Charlotte Margaret Eger wurde am 3. Januar 1904 in Dresden geboren. Sie hatte noch vier Geschwister: Robert Friedrich Georg Höhle, Erna Susanne Marie verh. Höppner, Doris Hildegard verh. Pawlak und Charlotte verh. Wünsche.
Am 23. April 1934 heiratete sie den jüdischen Kaufmann Robert Eger, Kaufhaus- und Firmenbesitzer für Herrenkleidung. Sie war einige Zeit Miteigentümerin des Herrenausstatters auf der Wilsdruffer Straße 34, vermutlich zum Schutz vor einer „Arisierung“ des Geschäfts. Sie bewohnten gemeinsam mit Roberts Bruder Walter und seiner Frau Margot Caci sowie der Mutter, Rosa Eger, das Haus auf der Wasastraße 7, das ihnen gehörte.
Im Zuge der „Reichspogromnacht“ wurde Robert Eger im November 1938 ins Konzentrationslager Buchenwald verbracht, im Dezember aber wieder entlassen. Er hatte die Häftlingsnummer 23259, das geht aus einem Buchungsbeleg des KZ Buchenwald hervor, wohin Charlotte ihm Geld schickte.
1942 wurden sie zum Verkauf des Hauses gezwungen, da sie fortan in einem sogenannten Judenhaus wohnen sollten. Roberts Bruder Walter hatte das Deutsche Reich mit seiner Frau längst verlassen und war nach Australien ausgewandert. Sein Anteil am Hausbesitz wurde konfisziert. Robert und Charlotte sowie seine Mutter Rosa zogen also auf den Lothringer Weg 2 in eine einst prächtige Villa, die der Juwelier Julius Jacoby um die Jahrhundertwende für seine große Familie hatte bauen lassen. Nun wohnte neben der betagten Witwe noch eine Vielzahl von jüdischen Parteien darin, meist sogenannte privilegierte Mischehen mit einem nichtjüdischen Partner. Sie alle litten unter den beengten Verhältnissen, Nahrungsmangel, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und schikanierenden Hausdurchsuchungen sowie in ständiger Angst vor weiteren Repressalien oder der Deportation. Fast alle hatten Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben zu verrichten. Neben Vorsicht und Misstrauen den unbekannten Nachbarn gegenüber gab es auch Hilfe und Unterstützung untereinander. In diesem Haus lebte auch der Romanist Victor Klemperer mit seiner Frau Eva und hielt die bedrückende Situation in seinen Tagebucheinträgen fest.
Am 8. September 1942 wurde Roberts Mutter Rosa mit dem Transport V/6 in das Altersghetto Theresienstadt deportiert, gemeinsam mit der Hausbesitzerin Jenny Jacoby. Am 31. Dezember 1942 kam Rosa Eger dort ums Leben.
Charlotte und ihr Mann Robert Eger wurden am 15. Oktober 1942 verhaftet und kamen ins Polizeigefängnis. Victor Klemperer vermutete, dass es sich um ein altes Vermögensverfahren handeln könnte. Charlotte wurde nach drei Wochen wieder entlassen und war in großer Sorge, was ihrem Mann geschehen könnte. Sie wandte sich an ihren Bruder, der Kontakte zur SS hatte, um Erleichterungen zu erwirken oder wenigstens Informationen zu bekommen. Ende November hieß es, dass er nach Auschwitz deportiert werden sollte, was Anfang Dezember auch geschah. Dort wurde er am 1. Januar 1943 ermordet (Eintrag im Sterberegister von Auschwitz unter der Nummer 221/1943). Am 7. Januar kam die Todesnachricht an die Gemeinde.
Charlotte zog zunächst zu ihren Eltern, verbrachte dann einige Wochen im Sanatorium und emigrierte später nach Melbourne, Australien, wo sie am 2. Januar 1964 verstorben ist. Einige Zeit hatte sie wohl noch seltenen Kontakt zu ihrem Bruder in Dresden.

Die Großnichte von Charlotte Eger spendete mit ihrer Familie 2022 die Verlegung des Stolpersteins.

Quellen

Angaben der Angehörigen (Beatrice Fischer) nach ausführlichen Recherchen.
Arbeitskreis Gedenkbuch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e. V. (2006): Buch der Erinnerung. Juden in Dresden: Deportiert, ermordet, verschollen. 1933 bis 1945.Thelem Universitätsverlag Dresden, S. 76-77.
Archiv und Gedenkbuch der Jüdischen Gemeinde Dresden.
Kopie Auszug Buchführung KZ Buchenwald von 1938.
Nowojski, Walter / Klemperer, Hadwig (Hrsg.): Victor Klemperer Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933–1945. Aufbau Verlag Berlin 1995. (Einträge zwischen September 1942 und März 1943).

Putzpate:
bereits vergeben

Wenn Sie eine Putzpatenschaft für einen oder mehrere Stolpersteine übernehmen möchten, melden Sie uns das bitte an die Mailadresse email hidden; JavaScript is required.