Lili Klemperer Edle von Klemenau
Wiener Straße 86, StrehlenHIER WOHNTE
LILI KLEMPERER
EDLE V. KLEMENAU
GEB. HULDSCHINSKY
JG. 1893
FLUCHT 1937
SÜDAFRIKA
Weitere Stolpersteine in Wiener Straße 86:
Klemperer Edler von Klemenau, Ralph Leopold
Lili (1893–1979) wurde als jüngste Tochter Oscar Huldschinskys (1846–1931) und seiner Gattin Ida (1860–1912), geborene Brandeis-Weikersheim, am 2. Oktober 1893 im Ortsteil Wannsee, des heutigen südwestlichen Berliner Bezirks Steglitz–Zehlendorf geboren und wuchs in einem sehr wohlhabenden Haushalt auf. Der Vater war ein mächtiger Montan-Unternehmer, Großindustrieller, Mäzen und bedeutender Kunstsammler; ihre Mutter war die Tochter des Wiener Großhändlers, Bankiers und britischen Konsuls Salomon Brandeis-Weikersheim (1813–1877). Über die Jugend Lilis ist nichts bekannt, aber es ist davon auszugehen, dass ihr eine sorgfältige und standesgemäße Ausbildung zuteilwurde.
Mit seinem Bruder Victor (1876–1943) und dessen Frau Sophie (1887–1934) hatte Ralph Leopold 1911 an einer gemeinsamen Reise nach Noordwijk teilgenommen. In diesem seit 150 Jahren international bekannten Seebad in den Niederlanden lernte er Lili kennen. Nachdem sie die Schwierigkeiten überwunden hatten, vom Vater Oscar Huldschinsky die Genehmigung zur Verlobung zu erlangen, konnten Lili und Ralph Leopold von Klemperer schließlich 1913 heiraten. Sein Bruder Victor bezeichnete in seinen Erinnerungen diese „Verbindung als eine besonders glückliche“. Das Paar war mit vier Kindern gesegnet: Hubert Ralph (1914–1999), Friedrich Oskar (1917–2010), Ida Charlotte (1919–2015) und Marie (1923–2012).
1937 ging die Familie ins Exil nach Südafrika. Diese Zeit wurde auch zu einer Herausforderung für Lili. Das anfangs kleine Unternehmen „The Standard Yoke & Timber Mills Ltd.“ in Pietermaritzburg wuchs in den 1940er Jahren zu einer leistungsstarken Fabrik. Da die Söhne Hubert Ralph und Friedrich Oskar zunächst noch den Militärdienst leisteten, übernahm Lili neben ihren familiären Verpflichtungen die gesamte Buchhaltung.
Später, als es Ralphs Bruder Victor gesundheitlich schlecht ging, standen beide Familien einander bei. Nach dem Tod Victors im März 1943 erhielt dessen Ehefrau die Genehmigung zur Übersiedelung nach Pietermaritzburg, Südafrika, wo sie in der Nähe von Lili bis 1976 lebte.
Am 9. August 1979 starb Lili von Klemperer in Pietermaritzburg (Südafrika).
Im September 2022 ließen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Anschluss an das Restitutionsforschungsprojekt „Rekonstruktion der Porzellansammlung des Dresdner Bankiers Gustav von Klemperer (1852-1926)“ die Stolpersteine für Familie Klemperer verlegen.
Quellen
Das von November 2019 bis August 2021 an der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden durchgeführte Forschungsprojekt „Die Rekonstruktion der Porzellansammlung des Dresdner Bankiers Gustav von Klemperer (1852-1926)“ dokumentierte seine Ergebnisse in digitaler Form. Auf einer separaten Webseite der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden werden alle Erkenntnisse zusammengeführt und mit vielfältigem Bildmaterial visualisiert: https://porzellansammlung.skd.museum/forschung/porzellansammlung-gustav-von-klemperer/. Fünf Autorinnen und Autoren haben in wissenschaftlichen Aufsätzen zum Gelingen dieses Projektes beigetragen. In diesen Aufsätzen sind alle relevanten Quellen und Literaturhinweise angegeben und nachzuvollziehen. Außerdem sind diese Aufsätze in Deutsch und Englisch online publiziert:
Graul, Andreas (2021): „Die Bankiers Gustav und Victor von Klemperer“, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007288 English: “The Bankers Gustav and Victor von Klemperer”, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007294
Howse, Michaela (2021): „Die Kunst der goldenen Reparatur: Eine persönliche Sicht darauf, was es bedeutet, in der Restitutions- und Gedenkkultur Gerechtigkeit zu üben“, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007295 English: „The Art of Golden Repair: A Personal View on the Unique Work of Justice in Restitution and Remembrance Culture“, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007289
Iselt, Kathrin (2021): „Die Dresdner Villen der Familie von Klemperer“, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007290 English: “The Dresden Villas of the von Klemperer Family”, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007296
Loesch, Anette (2012): „SAMMLUNG – RAUB – VERLUST – RESTITUTION – SCHENKUNG. Die Porzellansammlung Gustav von Klemperers“, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007286 English: “COLLECTED – EXPROPRIATED – LOST – RESTITUTED – GIFTED: The Gustav von Klemperer Porcelain Collection”, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007292
Rudolph, Sabine: „Die Entziehung der Porzellansammlung Gustav von Klemperers“, DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00007287 English: “The Expropriation of the Gustav von Klemperer Porcelain Collection”, DOI:https://doi.org/10.11588/artdok.00007293
Putzpate:
bereits vergeben
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