Wilhelm Nollert
Schäferstraße 9, FriedrichstadtHIER WOHNTE
WILHELM NOLLERT
JG. 1895
ZEUGE JEHOVAS
VERHAFTET 7.1.1937
BUCHENWALD
1942 DACHAU
DEPORTIERT 1944
MAJDANEK
ERMORDET 2.3.1944
Weitere Stolpersteine in Schäferstraße 9:
Nollert, Gertrud
Wilhelm Nollert wurde 02. Januar 1895 in Ludwigshafen als jüngster von vier Brüdern geboren. Er verlor bereits im Alter von acht Jahren beide Eltern. Danach wuchs er bei Pflegeeltern auf. Als gelernter Gärtner erhielt er Anstellungen in Düsseldorf und Heidelberg. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat. Dabei wurde er in Dünaburg (heute Daugavpils, Lettland) verschüttet.1 Als Kriegsinvalide zog er zunächst nach Berlin. In Dresden fand er dann ca. 1920 Arbeit in der Nähmaschinenteile AG, kurz Nähmatag genannt.1930 lernte er die gebürtige Dresdnerin Gertrud Drechsler kennen, die er am 22. Januar 1931 heiratete. 2 Als Ehepaar wohnten beide dort in der Schäferstraße 11. 3
Bereits seit 1928 bekannten Wilhelm und Gertrud Nollert sich als Bibelforscher, wie Jehovas Zeugen bis 1931 genannt wurden. Aufgrund seiner religiösen Überzeugung verweigerte Wilhelm Nollert den Hitlergruß, sowie die Teilnahme an politischen Appellen bei der Nähmatag und verlor daher 1935 seine Arbeit. 4 Wegen der Verteilung illegaler Bibelforscherschriften und des Treffens mit Glaubensangehörigen in Privatwohnungen wurde zunächst Gertrud Nollert und acht Tage später am 07. Januar 1937 auch Wilhelm Nollert verhaftet. Beide erhielten am 26. Februar 1937 vor dem Sondergericht Freiberg eine Strafe von 10 Monaten Gefängnis, die Wilhelm Nollert zunächst in U-Haft in Dresden und dann Freiberg verbüßte, bevor er am 01. April 1937 nach Leipzig (Klein-Meusdorf) verlegt wurde. 5 Daran anschließend verhängte die Gestapo Schutzhaft.
Am 18. November 1937 wurde Wilhelm Nollert in das Konzentrationslager Buchenwald, Block 16, überführt. Dort musste er als Häftling Nr. 443 in der Strumpfstopferei arbeiten. 6 Am 06.07.1942 verlegte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, Block 22, wo er die Häftlingsnummer 31087 erhielt. 7 Am 03.01.1944 verbrachte man Hunderte „nicht mehr arbeitsfähige“ Häftlinge aus Dachau in das Vernichtungslager Majdanek (160 km sö. von Warschau); unter ihnen war auch der Kriegsinvalide Wilhelm Nollert. 8
Seine Frau war inzwischen in die Frauenkonzentrationslager Moringen (25.11.1937), Lichtenburg (21.02.1938) und Ravensbrück (15.05.1939) eingeliefert worden. Seit August 1942 arbeitete sie auf dem Landgut Hartzwalde, einem Außenkommando von Ravensbrück. Von hier aus konnte sie ihrem Mann nacheinander drei Pakete nach Dachau senden. Am 03. Oktober 1943 schrieb Wilhelm seiner Frau in einem seiner letzten Brief aus Dachau, dass er mit Gottes Gnade an den „vollständigen Sieg der Gerechtigkeit“ glaubte. 9 Als das letzte der drei Pakete mit dem Vermerk zurückkam, dass der Adressat nach Lublin überstellt worden sei, schrieb Gertrud sofort an das dortige KZ Majdanek. Mit Schreiben vom 05. April 1944 teilte ihr die Kommandantur mit, dass ihr Mann „am 02.03.1944 an Fleckfieber verstorben“ sei – eine Darstellung, die seine Witwe zeitlebens anzweifelte. 10
Nach der Befreiung aus dem KZ kehrte seine Witwe nach Dresden zurück. Aufgrund der erneuten Verfolgung von Jehovas Zeugen Jehovas in der neu gegründeten DDR wechselte sie häufig ihren Wohnsitz und floh 1951 über Berlin nach Westdeutschland. Dort heiratete sie am 13.09.1952 den Zeugen Jehovas Gustav Hartmann und lebte bis zu ihrem Tod 1996 in Wermelskirchen. 11
Quellen
1 Sächsisches Staatsarchiv Dresden (SächsStA-D), 11027 Sondergericht für das Land Sachsen, Freiberg, Karton 379, Kms/SG 79/37, Bl. 8r.
2 Lebenslauf Wilhelm Nollert, erstellt von Gertrud Nollert, 05.06.1950, S. 1 (Nachlass Nollert, Privatbesitz).
3 Häftlingskarteikarte, KZ Buchenwald (1.1.5.3./6720254, ITS Digital Archive, Arolsen Archives [ITS]).
4 Lebenslauf (Anm. 1), S. 2.
5 SächsStA-D, 11027 SG Freiberg, Karton 379, Kms/SG 79/37, Bl. 65
6 Individuelle Häftlingsunterlagen, KZ Buchenwald (1.1.5.3/1735205, 6720255, ITS).
7 Eidesstattliche Erklärung von Friedrich Brosius, 05.11.1951 (Stadtarchiv Leverkusen [StA LEV], Entschädigungsakte 4010-4867, S. 23).
8 Transportliste nach K.L. Lublin, Dachau, 03.01.1944 (1.1.6.1./9913840, 9913846, ITS); Geldverwaltungskarte, Dachau (1.1.6.2./102222762, ITS); StA LEV (Anm. 6), S. 26 R.
9 AaO., S. 25.
10 Briefe, KZ Majdanek, 16.03.1944 an Elise Nollert und 05.04.1944 an Gertrud Nollert (StA LEV [Anm. 6], S. 26, 44 f.).
11 AaO., S. 59 f.
Putzpate:
bereits vergeben
Wenn Sie eine Putzpatenschaft für einen oder mehrere Stolpersteine übernehmen möchten, melden Sie uns das bitte an die Mailadresse email hidden; JavaScript is required.