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Berta Flasch

Wilsdruffer Straße 25/27, Altstadt

HIER WOHNTE
BERTA FLASCH
GEB. LEISER
JG. 1869
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET



Weitere Stolpersteine in Wilsdruffer Straße 25/27:
Flasch, Siegmund Salomon

Berta (Bertha) Flasch geb. Leiser wurde am 03.11.1869 in Pudewitz (heute Pobiedziska) bei Posen geboren. Ihr Vater Gedalje Leiser (1828 – 1900) war dort Bäcker, ihre Mutter Dorchen (* 19.10.1840), geborene Heim, hatte den Namenszusatz Kantorowicz / Kanter, nach dem Amt ihrer Vorfahren als Kantor bzw. Chasan (dt. Sänger) in der Synagoge. Neben dem Bruder Sally Salus (1865 – 1931), der wie der Vater Bäcker wurde, lassen sich noch die Geschwister Adolf Luis (*1868), Benno (1873 – 1928), Magnus (1974) und Hedwig/Jadwiga (* 1975) verh. Kempinski belegen.
1893 heiratete Berta in Pudewitz den Landwirt Siegmund Salomon Flasch (1866 – 1943) aus Friedland/Mecklenburg, durch dessen Getreidehandel möglicherweise die Familien miteinander bekannt wurden. Dort in Friedland lebten sie lange Jahre, die Töchter Elisabeth Johanna (* 10.03.1894) und Margarete (* 02.04.1896) kamen dort zur Welt.
1933 zog das Ehepaar Flasch nach Dresden in die Wilsdruffer Straße 17, wo der Gatte ihrer Tochter Elisabeth, Dr. jur. Ludwig Katz seine Kanzlei hatte. Als die Großeltern her zogen, war der Enkel Lothar Joachim schon 10, sein Bruder Gert Rainer 7 Jahre alt. Margarete hatte den Dresdner Martin Jaffé heiratete. Ihr Sohn Wolfgang Norbert (*1924) berichtet: „My father Martin Jaffe’s furniture department store was in the family for over 100 years. My mother … performed as an opera star and concert pianist.“.
1939 zwangsenteignet kam das Ehepaar Flasch ins Judenhaus Kurfürstenstraße 11.
Margaretes Sohn berichtet von Auswanderungsversuchen, die sich zerschlugen. 1941 wird er zu Zwangsarbeit bei den Goehlewerken/Zeiss Ikon verpflichtet, im Herbst 1942 dazu auf dem Hellerberg interniert, am 03.03.1943 nach Auschwitz deportiert. Tochter Elisabeth Katz sowie ihr Gatte und beide Söhne wurden am 21.01.1942 nach Riga deportiert, wo Dr. Katz bereits am 01.02.1942 in Salaspils ermordet wurde. Dann traf es die Tochter Margarete selbst. Sie und ihr Mann wurden am 28.07.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo Martin Jaffé am 01.11.1942 im Alter von 58 Jahren starb.
Zum 25.08.1942 erreichte auch die Eltern Flasch der Deportationsbefehl nach Theresien-stadt. Sie wurden zur jüdischen Gemeinde einbestellt, um am nächsten Morgen auf der Ladefläche eines LKW mit 48 weiteren Jüdinnen und Juden im Transport V/5 deportiert zu werden. Nur kurz währte die Begegnung mit Margarete in Theresienstadt. Am 29.01.1943 wurde diese weiter deportiert nach Auschwitz, wo sie wahrscheinlich sofort ermordet wurde. Siegmund Flasch starbt in Theresienstadt am 25.10.1943, seine Ehefrau Berta musste wie die Tochter die Deportation nach Auschwitz am 15.05.1944 über sich ergehen lassen. Ob sie bereits auf dem Transport verstarb oder von der Rampe in die Gaskammer kam, bleibt ungewiss.
Tochter Elisabeth Katz und ihre Söhne wurden am 09.08.1944 in das KZ Stutthoff bei Danzig verbracht, wo Elisabeth umkam, ohne dass ein Todesdatum bekannt ist.
Elisabeths Söhne mussten gleich am 13.08.1944 weiter nach Buchenwald. Nach der Befreiung gingen sie nach Würzburg, wo Gerd Rainer aber am 30.07.1945 an den Folgen des Martyriums starb. Margaretes Sohn Wolfgang Norbert Jaffé wurde im Januar 1945 mit Zwischenstopp in Groß-Rosen nach Dachau verbracht und erlebte die Befreiung im Mai 1945 in Mühldorf.
Die Enkel Leonard (Leon) Lothar Joachim Katz und Wolfgang Norbert (Norman) Jaffé zogen in die USA, sie sprachen über ihr Leben in Interviews der USC Shoah Foundation.

Nachfahren von Freunden aus der Zeit in Friedland initiierten den Stolperstein.

Quellenangaben:

© 2018 Archiwum Pa?stwowe w Poznaniu - Staatsarchiv in Pozna? (Suche: „Leiser“ „Pudewitz“, 2023, 14. Oktober). http://e-kartoteka.net/de/search

Buddrus, Michael; Fritzlar, Sigrid (2019): „Juden in Mecklenburg 1845–1945“. Institut für Zeitgeschichte München-Bln; Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.

Projekt Juden in Mecklenburg, Friedland
http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Friedland

Digitale Sammlungen: Adreßbuch für Dresden und Vororte (slub-dresden.de)
https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/510/209

Stiftung Sächsische Gedenkstätten (2023, 14. Oktober).
Dr. Willy Katz | Stiftung Sächsische Gedenkstätten (stsg.de)
https://www.stsg.de/cms/stsg/dr-willy-katz

Anna Hájková (2023, 14. Oktober). Bertha Flasch (Leiser) (1869-1944)
https://www.geni.com/people/Bertha-Flasch/6000000174924625977?through=6000000174923748355

Judenhäuser - Stadtwiki Dresden (stadtwikidd.de) (2023, 14. Oktober).
https://www.stadtwikidd.de/wiki/Judenh%C3%A4user

Quellen zur Deportation

Yad Vashem
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de&s_id=&s_lastName=flasch&s_firstName=&s_place=dresden&s_dateOfBirth=&cluster=true

Gedenkbuch - Suche im Gedenkbuch (bundesarchiv.de)
(Suche: „Flasch Dresden“, 2023, 14. Oktober). https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/

Arbeitskreis Gedenkbuch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. (2006): Buch der Erinnerung. Juden in Dresden: Deportiert, ermordet, verschollen. 1933-1945. Thelem Universitätsverlag Dresden, S. 96/97.

Berichte der überlebenden Enkelsöhne (2023, 14. Oktober):

Leonard Katz. https://vha.usc.edu/testimony/51626?from=%2Fdashboard
Norman Jaffe. https://vha.usc.edu/testimony/6026?from=%2Fdashboard
Norman Jaffe https://www.jewishsantabarbara.org/portraits-of-survival/survivor-stories/norman-jaffe

Putzpate:
bereits vergeben

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