Details

Siegmund Salomon Flasch

Wilsdruffer Straße 25/27, Altstadt

HIER WOHNTE
SIEGMUND
SALOMON FLASCH
JG. 1866
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 25.10.1943



Weitere Stolpersteine in Wilsdruffer Straße 25/27:
Flasch, Berta

Siegmund (Siegismund) Salomon Flasch wurde am 29.03.1866 in Lübeck geboren. Sein Vater Salomon Flasch (* um 1835) wird in den Lübecker Adressbüchern zwi-schen 1866 und 1868 mit drei verschiedenen Adressen genannt. Für die Jahre 1869 und 1870 wird er dort noch als „abwesend“ geführt. In dieser Zeit siedelte die junge Familie offenbar nach Friedland in Mecklenburg um, wo das Kontributionsregister sie 1870 neben der Familie Lychenheim und weiteren als jüdische Bürger aufführt. Siegmunds Mutter Rosalie wird als geborene Lychenheim geführt, obwohl die Lübe-cker Verlobungsanzeige 1864 sie als „Rosalchen Lichtenheim aus Fürstenberg“ ver-meldet. Vermutlich hatte Siegmund mindestens die Geschwister Jacob Julius (* 1868 in Lübeck) und Jenny verh./gesch. Kanal (* 1869 in Friedland). Der Vater war wohl, wie später der Sohn, Landwirt und Getreidehändler – und der Handel scheint bis in die Region Posen gereicht zu haben, wo Siegmund 1893 die Bäckerstochter Berta Leiser (1869 – 1944) in Pudewitz heiratete und mit nach Friedland nahm. Dort wurden die Töchter Elisabeth Johanna (* 10.03.1894) und Margarete (* 02.04.1896) geboren. Man wohnte in der Treptower Straße 4, wo Siegmund Flasch auch ein Korn- und Getreidegeschäft, einen Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen und die Fronerei (Abdeckerei/Tierkörperbeseitigung) betrieb - neben der großen Landwirt-schaft.
Als die Nazis erstarkten, trat er 1928 aus der jüdischen Gemeinde aus.
1933 zog das Ehepaar Flasch nach Dresden in die Wilsdruffer Straße 17 in die II. Etage, wo der Gatte ihrer Tochter Elisabeth, Dr. jur. Ludwig Katz, seine Kanzlei hatte. Er war der Bruder des bekannten Dresdner Arztes Dr. Willy Katz. Sie hatten die Söhne Lothar Joachim (* 1923) und Gert Rainer (* 1926). Flaschs jüngere Tochter Margarete heiratete Martin Jaffé aus einer alteingesessenen Dresdner Familie, die mit Möbeln handelte. Geschäft und Wohnung lagen in der Marschallstr. 34. Sie hatten den Sohn Wolfgang Norbert (*1924). Nur Wolfgang Norbert und Lothar Joachim überstanden den Holocaust.
1939 wurde Siegmund Flasch zum Verkauf aller Felder und Güter in Friedland gezwungen. Die Familie musste zudem aus der schönen Innenstadt-Wohnung ausziehen in ein sogenanntes Judenhaus in der Kurfürstenstraße 11 in der Dresdner Neustadt.
Zum 25.08.1942 erreichte sie der Deportationsbefehl. Siegmund Flasch (76 Jahre) und seine Frau Berta (73 Jahre) wurden zum jüdischen Gemeindehaus bestellt, um am nächsten Morgen auf der Ladefläche eines LKW mit 48 weiteren Jüdinnen und Juden im Transport V/5 nach Theresienstadt deportiert zu werden.
Siegmund Flasch starb dort am 25.10.1943, seine Ehefrau Berta musste noch eine weitere Deportation erleiden. Am 15.05.1944 wurde sie im Transport Dz 1205 nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Ob Berta Flasch bereits auf dem Transport verstarb oder von der Rampe in die Gaskammer getrieben wurde, bleibt ungewiss.

Nachfahren von Freunden aus der Zeit in Friedland initiierten den Stolperstein.

Quellenangaben:
Lübeckische Anzeigen 1864 (1864) - Stadtbibliothek Lübeck (luebeck.de)
https://digital-stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/image/168714434_1864/2353/LOG_0392/

Lübeckisches Adress-Buch nebst Local-Notizen. 1870. (1870) - Stadtbibliothek Lübeck (luebeck.de)
https://digital-stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/image/L130311870/159/

Buddrus, Michael; Fritzlar, Sigrid (2019): „Juden in Mecklenburg 1845–1945“. Lebenswege und Schicksale. Ein Gedenkbuch. Institut für Zeitgeschichte München-Berlin; Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.

Projekt Juden in Mecklenburg, Friedland
http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Friedland

Digitale Sammlungen: Adreßbuch für Dresden und Vororte (slub-dresden.de)
https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/510/209

Stiftung Sächsische Gedenkstätten (2023, 14. Oktober).
Dr. Willy Katz | Stiftung Sächsische Gedenkstätten (stsg.de)
https://www.stsg.de/cms/stsg/dr-willy-katz

Anna Hájková (2023, 14. Oktober). Siegismund Salomon Flasch (1866-1943)
https://www.geni.com/people/Siegismund-Salomon-Flasch/6000000174923748355?through=6000000174924814908

Judenhäuser - Stadtwiki Dresden (stadtwikidd.de) (2023, 14. Oktober).
https://www.stadtwikidd.de/wiki/Judenh%C3%A4user

Quellen zur Deportation

Yad Vashem
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de&s_id=&s_lastName=flasch&s_firstName=&s_place=dresden&s_dateOfBirth=&cluster=true

Gedenkbuch - Suche im Gedenkbuch (bundesarchiv.de)
(Suche: „Flasch Dresden“, 2023, 14. Oktober). https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/

Arbeitskreis Gedenkbuch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. (2006): Buch der Erinnerung. Juden in Dresden: Deportiert, ermordet, verschollen. 1933-1945. Thelem Universitätsverlag Dresden, S. 96/97.

Berichte der überlebenden Enkelsöhne (2023, 14. Oktober):

Leonard Katz. https://vha.usc.edu/testimony/51626?from=%2Fdashboard
Norman Jaffe. https://vha.usc.edu/testimony/6026?from=%2Fdashboard
Norman Jaffe https://www.jewishsantabarbara.org/portraits-of-survival/survivor-stories/norman-jaffe

Putzpate:
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