Details

Charlotte Selma Sternfeld

Geibelstr. 3, Kaditz

HIER WOHNTE
CHARLOTTE SELMA
STERNFELD
GEB. KREIS
JG. 1900
FLUCHT 1939 FRANKREICH
VERHAFTET 1943
ZUCHTHAUS COSWIG/ANHALT
AUSSENLAGER GRIEBO
BEFREIT



Charlotte Kreis wurde am 4. Juni 1900 in Dresden als Tochter des Ofensetzers Eduard Kreis und seiner Frau Selma, geb. Schulz, geboren.
Ihre erste Ehe, seit der sie den Namen Müller trug, wurde geschieden.
Sie absolvierte eine Lehre als Schneiderin und führte selbständig das Damenschneiderhandwerk aus.
Später betrieb sie die Firma „Kreis-Radio Antennenbau Charlotte Müller“ in der Geibelstraße 3 in Dresden, wo sie auch wohnte. Nachdem ihr späterer Ehemann, Hans Eduard Sternfeld, Ingenieur für Radio- und Antennentechnik, durch die Arisierung des Residenzkaufhauses in der Prager Straße, in der er die Abteilung für Radiotechnik leitete, aus rassistischen Gründen entlassen wurde, trat er dem Radiogeschäft als Mitarbeiter bei.
Beide wurden ein Paar, durften aber aufgrund der 1935 erlassenen „Nürnberger Gesetze“ nicht heiraten. Am 15. Dezember 1936 wurde ihr gemeinsamer Sohn Hans-Joachim in der Charité geboren.
Am 18. Januar 1939 floh Charlotte mit ihrem Sohn zunächst in die Schweiz, da ein Haftbefehl erlassen worden war. Sie traf dort auf ihren späteren Mann Hans Eduard. Zusammen wohnte die Familie in Zürich, bis sie von der „Schweizerischen Fremdenpolizei“ ausgewiesen wurden und am 11. August 1939 nach Paris reisten, wo sie bis zur Besetzung des Nordteils Frankreichs durch die deutschen Truppen blieben. Danach fuhr Charlotte mit ihrem Sohn weiter nach Südfrankreich in den von General Pétain regierten Teil, weil Hans Eduard – wie alle Asylanten – in Südfrankreich interniert wurde.
Nach der Besetzung auch des Südteils Frankreichs durch die deutschen Truppen wurde die Familie am 7. Juni 1943 in Marseille von der Gestapo verhaftet und getrennt nach Dresden verbracht. Charlotte Müller verblieb von September 1943 bis April 1944 in Dresden im Gefängnis am Münchner Platz in Untersuchungshaft und wurde nach mehreren Verhandlungen durch Antrag des Staatsanwalts Dr. Weber wegen Umgehung der Nürnberger Gesetze zu Zuchthausstrafe im Strafgefangenenlager Griebo bei Magdeburg verurteilt. Während der Haftzeit mussten die Frauen in einer Munitionsfabrik unter Einwirkung aggressiver Gase Arbeiten an Geschossteilen vornehmen.
Im April 1945 wurde sie durch die amerikanische Armee befreit.
Ihr Sohn wurde im August 1943 den Großeltern mütterlicherseits übergeben.
Charlotte und Hans Eduard Sternfeld heirateten am 26. Juli 1945 in Dresden zum zweiten Mal, nachdem eine erste Heirat in Frankreich nicht anerkannt wurde.
1946 gründeten sie beide zusammen zwei Radio-Firmen, die KREIS-RADIO KG und das Ingenieurbüro HANS STERNFELD. Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns 1948 führte sie beide Firmen allein weiter. Die KREIS-RADIO KG wurde 1953 durch exorbitante Steuernachforderungen der DDR-Administration in die Insolvenz gezwungen.
Charlotte Sternfeld verstarb am 24. November 1980 in Mainhardt-Gailsbach (Kreis Schwäbisch Hall).

Quellen:
Dresdner Adressbuch 1912 bis 1939; https://digital.slub-dresden.de

https://verlag.sandstein.de/reader/98-202_PolitischeJustiz/18/

https://www.radiomuseum.org/dsp_hersteller_detail.cfm?company_id=1330

https://archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?guid=b42081c2-15aa-4ab0-9857-c572e0379826

https://www.vom-vergessen-zum-erinnern.com/zwangslager/strafgefangenenlager-elberegulierung-griebo/

Angaben der Familie



Putzpate:
bereits vergeben

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