Anton Josef Schmidt
Ecke Werdauer/Zwickauer Str. , SüdvorstadtHIER WOHNTE
ANTON JOSEF
SCHMIDT
JG. 1906
VERHAFTET DEZ. 1936
POLIZEIGEFÄNGNIS DRESDEN
ERMORDET 18.12.1936
Anton Josef Schmidt wurde am 5.9.1906 geboren als Sohn des Glasmachers Johann Schmidt (* 22.10.1880 in Fatschet in der Diözese Temeswar im Banat, heute: Rumänien) und seiner Ehefrau Theresia Adazinska (* 14.7.1879 in Pieniaki, Bez. Brody/Tarnopol, heute: Ukraine).
Nach der Hochzeit am 28.5.1905 war das junge Paar nach Dresden-Altstadt in die Freiberger Straße 104 III. gezogen. In Dresden wurde nicht nur der älteste Sohn geboren, sondern auch seine drei Schwestern Marie Theresie (30.4.1907 - 25.5.1987), Stefanie Sabina (1.9.1908 - 27.4.1986) und Paula Martha (11.7.1913 - 16.12.1990). Der Vater Johann kämpfte im I. Weltkrieg im K. u. K. Infanterieregiment Nr. 43 in der 3. Kompanie. An der Isonzo Front, bei den Kämpfen zwischen Österreich-Ungarn und Italien wurde er verwundet und starb am 3.3.1917 im K. u. K. Reservespital zu Sopron / Ungarn, wo er am 3.5.1917 auf dem Militärfriedhof (Grab XXV 21) begraben wurde.
Anton Josef Schmidt wurde mit elf Jahren Halbwaise. Er musste nun als einziger Mann der Familie schnell erwachsen werden und auf seine drei jüngeren Schwestern mit achten. Die Mutter arbeitete in der Fabrik, um ihre Kinder zu ernähren. Der Urenkel schreibt: „Sie soll aber, da Sie in den Augen der Nazis, polnischer Herkunft war, während der Nazizeit große Probleme gehabt haben. So soll Sie … keine bzw. wenige Essensmarken erhalten haben. Sie muss bei den Luftangriffen … 1945 ums Leben gekommen sein ...“
Anton Josef wurde Parteimitglied der Kommunistischen Partei und Kassenwart seiner Ortsgruppe. Er arbeitete bei den Dresdner Verkehrsbetrieben als Straßenbahnhofarbeiter.
Er heiratete Charlotte Steiner (19.3.1907 - 15. 07.1974). Ihre beiden Kinder Rudolf Alfred (24.1.1929 – 19.12.2021) und Christa Maria (18.2.1931 - 19.7.1996) erinnerten sich immer wieder gern an die Unternehmungen mit dem Vater, wie er mit ihnen in der Elbe geschwommen war und wie Sie Ausflüge in die sächsische Schweiz gemacht haben.
Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurde Anton Josef Schmidt entlassen. Aus Wut darüber nahm er, als er nach Hause kam, ein Bild von Adolf Hitler, das seine Frau aufgehängt hatte, von der Wand und trat darauf. Die Untermieter verrieten ihn an die GESTAPO. Diese holte ihn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ab und schlugen ihn tot – im Alter von 30 Jahren am 18. Dezember 1936.
Seine Kinder wurden mit sechseinhalb und knapp fünf Jahren zu Halbwaisen. Sie kamen zunächst in ein Kinderheim in Dresden. Als es der Mutter etwas besser ging, holte sie zuerst die Tochter aus dem Kinderheim. Später als sie wieder heiratete, auch den Sohn.
Die Verlegung des Stolpersteins für Anton Josef Schmidt 2024 wurde von seinem Enkel angeregt.
Quellen:
1. Erinnerung des Enkels Frank Schmidt
2. Anton Josef Schmidt – Familien-Stammbaum - FamilySearch
https://www.familysearch.org/tree/pedigree/landscape/GWSR-MK6?cid=welcome-y3R-cta
3. Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) Projekt: Dresdner Adressbücher https://adressbuecher.sachsendigital.de/ [02.02.24]
4. Isonzoschlachten – Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Isonzoschlachten
Putzpate:
bereits vergeben
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