Details

Renate Eva Goldberg

Oeserstraße 5, Loschwitz

HIER WOHNTE
RENATE EVA
GOLDBERG
JG. 1922
FLUCHT 1933
FRANKREICH
1937 PALÄSTINA



Weitere Stolpersteine in Oeserstraße 5:
Goldberg, Emanuel
Goldberg, Sophie
Goldberg, Herbert

Renate Eva Goldberg, später Chava Gichon, wurde am 19. September 1922 in Dresden geboren. Sie war die Tochter von Emanuel und Sophie Goldberg und die jüngere Schwester von Herbert. Sie war ein sehr sportliches Kind, liebte Gymnastik und war sehr aktiv bei den Pfadfindern. Als sie neun Jahre alt war, hatte sie eine traumatische Erfahrung, die sie ihr gesamtes Leben prägen würde. Ihr Vater Emanuel, Generaldirektor von Zeiss Ikon, wurde von SA-Männern entführt. Obwohl er überlebte, wohnte sie über mehrere Monate getrennt von ihren Eltern, bis sich die Familie in Paris wieder vereinte. Seit diesem Moment weinte sie nie mehr in der Öffentlichkeit oder zeigte Gefühle von Belastung, und ihr Motto war: "Man muss das Leben so akzeptieren, wie es ist." Ende 1933 bis 1937 lebte Renate Eva mit ihrer Familie in Paris, wo sie eine lokale Mädchen-Pfadfindergruppe besuchte und mit ihrem Bruder und Vater aufregende Wanderungen unternahm. Im Oktober 1937 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Palästina, während ihr Bruder in die USA ging. In Tel Aviv ging sie in eine Schule, wo die Mehrheit der Schüler Kinder deutscher Migranten war, und so fühlte sie sich umgehend integriert in ihrer neuen Klasse. Während der Schulzeit traf die ihren späteren Mann, Mordechai Gicherman, den sie elf Jahre später während des israelischen Unabhängigkeitskrieges heiratete. Als sie 17 Jahre alt war, wollte ihr Vater, dass sie die Schule abschließen sollte unter dem internationalen britischen Schulsystem, damit sie später in London studieren könnte. Geschichte, wie wir wissen, geht ihre eigenen Wege. Der Zweite Weltkrieg brach aus, und so erhielt sie nie die Möglichkeit, diesen Plan umzusetzen und zu studieren.
Nach ihrem Abitur 1941 arbeitete sie im Labor ihres Vaters, indem sie ihm bei der Produktion von verschiedenen optischen Geräten für die britische und US-amerikanische Armee assistierte. Sie setzte ihre Arbeit im Labor ihres Vaters fort, der mehrere optische Gerätschaften für den jüdischen Untergrund vor dem Unabhängigkeitskrieg und danach für die israelische Armee herstellte, bis er schließlich das Labor 1965 verkaufte.
Ihr späterer Mann Mordechai war ab 1940 bei der britischen Armee und kam erst 1946 aus dem Krieg zurück. Danach wurden beide ein Paar und (sie) heirateten im Juni 1948 in Tel Aviv während einer zweiwöchigen Feuerpause im Unabhängigkeitskrieg. Sie entschieden sich für eine Anpassung des Namens in Gichon, eine der berühmten Quellen von Jerusalem und einer der vier Flüsse des Garten Eden. Ihre Tochter Arion wurde 1950 geboren, ihre Söhne Eran 1953 und Eyal 1963.
Mordechai, Senior Offizier der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Israel Defense Forces, kurz IDF), begann 1962 seine akademische Karriere als Professor für Archäologie. Chava wurde seine Assistentin und kümmerte sich um das Back-Office ihres Mannes, inklusive Tippen, Organisieren, Korrekturlesen etc. Parallel dazu kümmerte sie sich um den Haushalt des bescheidenen Hauses in Zahla, Tel Aviv. Als die Kinder groß waren, besuchte Chava endlich Kunst- und Geschichtskurse an der Tel Aviv University. Sie spielte Bridge mit Freunden und verbrachte viel Zeit mit ihren Enkeln.
Chava war sehr klug und hatte, wie ihr Vater, gute technische und analytische Fähigkeiten. Sie lebte wach und unabhängig bis zu ihrem Tod im Alter von 93 Jahren, umgeben von ihrer engeren Familie am 25. Juni 2015.

Quellen:
Angaben der Familie.

Putzpate:
bereits vergeben

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