Eva Stein
Elsasser Straße 5, AltstadtHier wohnte
Eva Stein
Geb. Wollheim
JG. 1883
Flucht 1940
Palästina
Eva Stein, geb. Wollheim, wurde am 26. Juni 1883 in Rogoźno (deutsch Rogasen, heute Westpolen) als Tochter von Lippmann Wollheim und seiner Frau Johanna, geb. Michaelis, geboren.
Ihr Vater war Kultusbeamter der Israelitischen Religionsgemeinde, er starb 1895.
Nach seinem Tod zog die Mutter mit Eva nach Berlin, wo sie die höhere jüdische Mädchenschule bis 1899 besuchte. Da ihre Mutter mit dem Berufswunsch Lehrerin nicht einverstanden war, erhielt sie eine kaufmännische Ausbildung und war bis zu ihrer Heirat Korrespondentin von Alphonse Levy, Generalsekretär des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, den ihr Vetter Maximilian Horvitz, ein Rechtsanwalt, leitete. Über diesen Verein lernte sie wohl auch ihren späteren Mann Dr. Leopold Stein kennen, der 1874 geboren wurde und aus einer Posener Kaufmannsfamilie stammte. Dieser hatte nach dem Abitur am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums absolviert. Es folgte ein Philosophiestudium in Kiel, das er mit einer Studie zu einem spanisch-jüdischen Dichter 1900 mit der Promotion abschloss. 1904 wurde er von der Israelitischen Religionsgemeinde in Dresden als Stellvertreter des Rabbiners Dr. Jakob Winter angestellt. Zugleich unterrichtete er an der Israelitischen Religionsschule. 1905 heiratete er in Berlin Eva Wollheim, die ihm nach Dresden folgte und als Frau des Rabbiners nun fürsorgerisch in der Gemeinde tätig war.
1909 kam Sohn Alfred, genannt Fred, und 1911 Tochter Rosi zur Welt. Sie wohnten seit 1908 in der Elsasser Straße 5.
Nach dem Tod ihres Ehemanns 1916 ließ sich Eva Stein zur Religionslehrerin ausbilden und nahm dazu eineinhalb Jahre privaten Unterricht in Berlin. Sie bekam eine Anstellung an der Schule, an der ihr Mann schon unterrichtet hatte, und konnte so mit einer sie befriedigenden Tätigkeit das Familieneinkommen sichern. Sie gab daneben auch Privatunterricht in wohlhabenderen Familien wie der Familie Salzburg, jedoch verkehrten die Familien nicht miteinander. Sie engagierte sich darüber hinaus ehrenamtlich im Israelitischen Kinderhort und im Mädchenheim, hielt Vorträge, gab Hinweise zur Berufswahl und stellte ihre Wohnung als Abgabestelle für Lebensmittelspenden in der Krise Anfang der 30er Jahre zur Verfügung. Sie besuchte so oft es ging die Dresdner Museen und spendierte ihrem Sohn jedes Jahr eine Dauerkarte des Museumsvereins. Ihr soziales Engagement war für ihren Sohn Fred Vorbild, genauso wie seine sozialdemokratische politische Bildung durch Anregungen am König-Georg-Gymnasium, der ersten humanistischen Reformschule Sachsens, die er mit einem Begabtenstipendium besuchen konnte. Sein Ziel, Anwalt für die Benachteiligten zu werden und für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen, hätte er fast erreicht, wenn nicht die nationalsozialistischen Rassengesetze kurz zuvor den Abschluss verhindert hätten.
Eva Stein gelang 1940 die Ausreise nach Palästina, wie zuvor schon ihrer Tochter Rosi mit deren Ehemann Erich Ettisch. Das Ehepaar Ettisch kehrte später nach Deutschland zurück und wohnte in West-Berlin, wohin sie ihren Neffen Peter Stein aus New York 1961 nach seinem College-Abschluss einluden, wo er den Bau der Berliner Mauer miterlebte.
Eva Stein starb 1958 in Tel Aviv.
Der Stolperstein für Eva Stein wurde 2019 von Maria Forker aus Dresden gespendet.
Quellen:
Angaben von Peter Stein.
Atanassow, Alexander (Hg.); Stein, Peter; Freer, Dawn (2019): Fred Stein: Kinder – Children. Dresden: Kunstblatt-Verlag.
Archiv und Gedenkbuch der Jüdischen Gemeinde Dresden. Stadtmuseum Dresden; Eschebach, Erika; Weber, Helena (2018): Fred Stein: Dresden Paris New York. Dresden: Sandstein-Verlag.
Putzpate:
bereits vergeben
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