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Doris Ruth Berlowitz

Lukasstraße 3, Altstadt

HIER WOHNTE
DORIS RUTH BERLOWITZ
VERH. LEVY
JG. 1925
FLUCHT 1936
PALÄSTINA



Weitere Stolpersteine in Lukasstraße 3:
Berlowitz, Friedrich Leopold
Berlowitz, Cilly

Doris Ruth Levy-Berlowitz
Doris Ruth Levy-Berlowitz kam am 13.09.1925 in Dresden als einzige Tochter von Friedrich Leopold und Cecilia „Cilly“ Berlowitz geb. Rowelsky zur Welt. Dort besuchte sie die 5. Volksschule an der Görlitzer Straße in der Dresdner Neustadt (laut hist. Stadtplan). Ihr Vater, ein promovierter Zahnarzt und Bekannter von Viktor Klemperer, und ihre Mutter, Sängerin und Korrepetitorin an der Semperoper, boten ihrer Tochter ein liberales künstlerisches und intellektuelles Umfeld.
Aufgrund der zunehmenden Repressionen der Nationalsozialisten und des Verbots für Juden öffentliche Schulen zu besuchen, wechselte sie 1935/1936 zur Jüdischen Schule, die von Direktor Schäler geleitet wurde. Doch noch im selben Jahr floh die Familie mit der knapp 11-Jährigen über Triest nach Haifa. Zwei ihrer Tanten erlebten das Kriegsende nicht - sie wurden im KZ Majdanek bei Lublin in Polen ermordet. Eine Cousine überlebte die Shoa nur knapp und unter extrem widrigen Umständen.
Ruth Berlowitz studierte nach dem Zweiten Weltkrieg in London und arbeitete dort als Assistentin einer Kinderpsychaterin. Zudem besuchte sie die Dolmetscherschule in Genf, die sie 1952 abschloss. 1961 wurde sie gebeten, beim Eichmann-Prozess, bei dem der Hauptverantwortliche für die Ermordung von Milionen Juden und Leiter des „Judenreferats“ Adolf Eichmann zum Tode verurteilt wurde, als dessen Simultanübersetzerin (Hebräisch-Deutsch) zu fungieren. 20 Jahre später dolmetschte sie auch im Gerichtsprozess gegen den Kriegsverbrecher John Demjanjuk.
Heute lebt sie in der Nähe von Tel Aviv.

Quellen: Heidrun Hannusch, Das Entsetzliche übersetzen. In: Die Zeit vom 20.04.2011; Walter Nowojski, Viktor Klemperer. Die Tagebücher (1933-1945). Kommentierte Gesamtausgabe, Berlin 2007.