Details

Hedwig Löwenstamm

Laubestraße 4, Blasewitz

HIER WOHNTE
HEDWIG
LÖWENSTAMM
JG. 1891
INTERNIERT 1942
HELLERBERGE
DEPORTIERT 1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 3.3.1943



Hedwig Löwenstamm wurde am 19. Juli 1891 in Meißen geboren. Ihr Vater Salo Löwenstamm führte in Meißen ein Schuhgeschäft, das in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten "arisiert" wurde. Über ihre Mutter Elisabeth, geborene Löwenstein, ist nur bekannt, dass sie im "Stadtkrankenhaus Löbtau" im November 1935 verarmt verstarb. Ihr Ehemann Salo verstarb im Februar 1936. Beide wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Dresden beigesetzt.
Neben Hedwig hatten die Eheleute noch fünf weitere Kinder: Erwin, Kurt, Willy, Fritz und Erna. Die beiden Letzteren verstarben bereits früh.
Anfang der 1920er Jahre zog Hedwig Löwenstamm von Meißen nach Dresden und arbeitete in einem Büro. In einem Eintrag im Adressbuch von 1935 wird sie mit Schuhwaren in der Scheffelstraße 6 am Altmarkt geführt.
Die ab 1938 zunehmenden Repressionen gegen jüdische Dresdner verschonte auch Löwenstamm nicht. Sie musste in sogenannte Judenhäuser ziehen, zunächst in eines in der Cranachstraße 6, dann in eines in der Ziegelstraße 41. Die Umsiedlung wurde oft unter Androhung und Ausübung massiver Gewalt durch die Gestapo erzwungen, wie Viktor Klemperer beispielsweise in seinen Tagebüchern berichtet. Auch sein Wohnhaus in der Caspar-David-Friedrich-Straße war ein sogenanntes Judenhaus. Ab dem 23./24. November 1942 musste Löwenstamm bei Zeiss Ikon Zwangsarbeit verrichten. Die Firma war der größte Kamerahersteller jener Zeit.
Schon etwa drei Monate später, zwischen dem 2. und 3. März 1943, deportierte man alle Zwangsarbeiter des Kamerabauers, die bereits im „Judenlager Hellerberge“ interniert waren, über den Neustädter Bahnhof nach Auschwitz. Dort wurde Hedwig Löwenstamm vermutlich am 3. März 1943 ermordet. Von ihren Geschwistern überlebte nur Erwin Löwenstamm.
Hedwigs Bruder Willy wurde mit seiner Frau Elfriede und Sohn Heinz nach Riga deportiert und dort am 25. August 1942 ermordet. Ihr Bruder Kurt Löwenstamm wurde mit seinem Sohn Gerhard ebenfalls nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Er wurde schon am 12. November 1938 in das KZ Buchenwald interniert und misshandelt, aber am 28. November wieder entlassen. 1939 flüchteten er und sein Sohn in der Hoffnung, eine Schiffspassage nach Amerika zu bekommen, erst nach Belgien, dann nach Frankreich. Dort griff man beide auf und internierte sie in die Lager Gurs und Drancy, bevor man sie am 4. September 1942 nach Auschwitz deportierte und ermordete. Seine Frau Erna konnte sich bis Kriegsende in Polen in einer Dachkammer verstecken und überlebte die Shoa. An Kurt Löwenstamm erinnert heute in Altenburg eine Messingtafel, die durch die Vereinsarbeit vom Kommunalpolitischen Ring Altenburger Land (KORA) e.V. ermöglicht wurde.

Die Verlegung des Stolpersteins für Hedwig Löwenstamm ist auf die Initiative von Frau Petra Fude zurückzuführen, die auch die Patin des Steines ist.

Quellen:
http://www.stadtwikidd.de/wiki/Judenh%C3%A4user: „Judenhäuser“ (5.4.2017).
Thomas Widera, Soziale Ressourcen? Wohnungsnot und Schwarzmarkt in Dresden 1942 bis 1948. In: Mike Schmeitzner, Clemens Vollnhals, Francesca Weil (Hg.), Von Stalingrad zur SBZ. Sachsen 1943 bis 1949, Göttingen 2016, S. 385-405.
https://de.wikipedia.org/wiki/Judenlager_Hellerberg: „Judenlager Hellerberg“ (5.4.2017).
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e. V. (Hg.), Buch der Erinnerung. Juden in Dresden. deportiert, ermordet, verschollen., Dresden 2006, S. 233.
http://www.lvz.de/Region/Altenburg/27-Stolpersteine-gegen-das-Vergessen: "27 Stolpersteine gegen das Vergessen". In: Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2015, s.p..
http://www.christian-repkewitz.de/index.php/de/neuigkeiten/juedisches-altenburg-news/472-heute-vor-75-jahren-19-maennliche-juden-im-zuge-der-pogromnacht-verhaftet58 : "Kurt Löwenstamm" (9.7.2017).