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Leo Leiser Langer

Rietschelstraße 15, Altstadt

HIER WOHNTE
LEO LEISER LANGER
JG. 1887
POLENAKTION 1938
BEUTHEN / BYTOM
ERMORDET IM
BESETZTEN POLEN



Weitere Stolpersteine in Rietschelstraße 15:
Langer, Rosa
Langer, Toni
Langer, Max

Leo Langer wurde am 5. Dezember 1887 in Spas/Dolina in Polen geboren. Er hatte noch acht weitere Geschwister, über deren Leben oder Verbleib nichts bekannt ist.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war er in Dresden wohnhaft.
Im 1. Weltkrieg kämpfte er auf deutscher Seite an der Ostfront und geriet in russische Gefangenschaft. Nach seiner Befreiung erhielt er ein Verdienstkreuz für seinen Einsatz für die deutsche Armee.
Am 30. Juni 1913 wurde sein Sohn Max Langer geboren, fast zehn Jahre später, am 25. August 1923 wurde Antonie, genannt Toni, Langer geboren.
Zusammen mit seiner Ehefrau Rosa (Reisel) Langer geb. Adler betrieb er in der Ringstraße 86 ein Möbel- und Antiquitätengeschäft sowie eine Schuhwarenhandlung im Erdgeschoss in der Marschallstraße 52, Kreuzung Rietschelstraße 19, der heutigen Rietschelstraße 13, wo er und seine Familie auch wohnte.
Sie führten ein reges gesellschaftliches Leben, nahmen am kulturell-intellektuellen Leben Dresdens teil. Ihre Kinder besuchten statt einer jüdischen Schule eine normale "deutsche" Schule. Familie Langer betrachtete sich nicht mehr als polnische, sondern als deutsche Bürger – vor allem im kulturellen Sinne.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten war die wohlhabende Familie zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Aufgrund seiner Teilnahme am 1. Weltkrieg und seiner Auszeichnung verkannte Leo Langer zunächst die Bedrohung. Seinem Sohn Max, der in der KPD aktiv war, riet er, Dresden zu verlassen.
Zwischen dem 28. und 29. Oktober 1938 fand die sogenannte „Polenaktion“ statt. Reinhard Heydrich, der Chef des SS-Sicherheitsdienst, ließ in der Nacht alle polnischstämmigen Juden verhaften und schob sie nach Polen ab. Auch Familie Langer war davon betroffen. Völlig unvorbereitet mussten sie alles zurücklassen. Max konnte sich noch rechtzeitig retten und blieb verschont. Das letzte Lebenszeichen der Familie ist ein Brief aus Lemberg an Max. Danach verlieren sich ihre Spuren. Vermutlich sind sie 1942 in einem der Vernichtungslager ermordet worden. Dasselbe Schicksal ereilte auch die Familie Adler. Bis heute ist nichts über ihr Schicksal bekannt - selbst in der umfangreichen Zentralen Datenbank von Yad Vashem sind keine Informationen vorhanden.

Die Verlegung der Stolpersteine erfolgte am 21. September 2016 in Anwesenheit der Familie von Max Langer.

Quellen:
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e. V. (Hg.), Buch der Erinnerung. Juden in Dresden. deportiert, ermordet, verschollen., Dresden 2006, S. 213
Toni Buda, Rede zur Stolpersteinlegung in Dresden am Mittwoch, den 21.09.2016.
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de815965http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de815965: Langer, Antonia Toni Tonne (30.07.2017).
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de581081: Langer, Leiser Eliezer Leo (30.07.2017).