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Julius Ferdinand Wollf

Franz-Liszt-Straße/Wiener Straße , Altstadt

HIER WOHNTE
JULIUS FERDINAND WOLLF
JG. 1871
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
27.2.1942



Weitere Stolpersteine in Franz-Liszt-Straße/Wiener Straße :
Wollf, Johanna Sophie

Julius Ferdinand Wollf wurde am 22. Mai 1871 als erstes von fünf Kindern in Koblenz geboren. Dort studierte er nach seinem Schulabschluss Philosophie, Geschichte, Volkswirtschaft sowie Kunst- und Literaturgeschichte. Anschließend arbeitete er zunächst als Dramaturg in Karlsruhe, wo er auch das Stück „Badisch Blut“ verfasste und aufführte. Doch schon bald, 1899, ging er nach München und arbeitete für die von Dr. August Huck herausgegebene „Münchner Zeitung“. Bereits 1903 ernannte er Wollf zum Geschäftsleiter der Dresdner Niederlassung, die nun „Verlag Neueste Nachrichten, Wollf & Co.“ hieß und die „Dresdner Neueste Nachrichten“ herausgab. Der talentierte Theaterkritiker übernahm alsbald auch die Chefredaktion und widmete sich dem Feuilleton. Fast 30 Jahre leitete Julius Ferdinand Wollf die Geschicke der Zeitung und wurde ein angesehener Bürger Dresdens. 1916 verlieh ihm der sächsische König Friedrich August III. den Professorentitel, 1918 erhielt er das Sächsische Kriegsverdienstkreuz. Wollf war zudem Mitglied im Verband Sächsischer Industrieller, im Verein Deutscher Zeitungsverleger und engagierte sich aktiv im Rotary-Club. Zu seinem Freundes- und Bekanntenkreis zählten u.a. August Lingner und Gustav Stresemann. Er war mit vielen bekannten Größen aus Kunst und Kultur freundschaftlich eng verbunden. Von Bedeutung war seine enge Beziehung zum Wiener Kulturschaffenden und Bambi-Autor Felix Salten, dessen Tochter zur gesetzlichen Erbin des Nachlasses des Ehepaares Wollfs bestimmt wurde. Auch die Gründung des Deutschen Hygienemuseum und die erste Welthygieneausstellung von 1911 sind auf seine maßgebliche Beteiligung zurückzuführen.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 geriet Wolff rasch ins Visier der neuen Machthaber, denn für sie blieb Wolff trotz seiner Konversion zum Christentum – er war seit seiner Umsiedlung nach Dresden Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Christuskirche Dresden-Strehlen - Jude. Nach fast 30-jähriger Arbeit drängten sie ihn am 31. März 1933 aus seiner Stelle bei den Dresdner Neuesten Nachrichten. Von da an war das Ehepaar Wollf zunehmenden Schikanen ausgesetzt. Im Mai, einen Monat nach seiner Entlassung, entfernte man ihn aus dem Vorstand des Deutschen Hygienemuseums. 1942 überfielen SS-Schergen das Ehepaar in ihrer eigenen Wohnung und bewarfen sie mit Meißner Porzellan und Antiquitäten aus ihrer eigenen Sammlung. Die Eheleute Johanna Sophie und Julius Ferdinand Wollf entschieden sich schließlich, sich mittels Gift das Leben zu nehmen, nachdem zwei bis drei Wochen zuvor SS-Schergen in ihrem Haus hausten. Während Wollf sofort am 27. Februar 1942 verstarb, litt seine Frau noch mehrere Stunden und verstarb erst am Tag darauf in einem Krankenhaus. Auch Bruder Max Wollf, der als kaufmännischer Leiter des DNN-Verlages tätig war, wählte die Flucht in den Tod. Sein Vetter Dr. Karl Wollf, der am Schauspielhaus ein geschätzter Dramaturg war, konnte rechtzeitig fliehen.
Bekannt ist, dass Wollf dem in Dresden tätigen Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, der Vater des bekannt gewordenen Cornelius Gurlitt, ein Werk des Malers Jules Pasquin durch Zwang und deutlich unter Wert verkaufen musste. Ferdinand Julius Wollf ist gemeinsam mit seiner Frau auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in der Fiedlerstraße beerdigt worden.

Momentan ist eine umfangreiche Biografie über Ferdinand Julius Wollf in Arbeit. Sobald diese fertiggestellt ist, werden die neuen Erkenntnisse hier eingearbeitet.

Die Stolpersteine für Familie Wollf wurden am 21. September 2016 verlegt. Die Patenschaft wurde von der Erbengemeinschaft Familie Wyler und von den Dresdner Neueste Nachrichten übernommen.

Quellen:
"Julius Ferdinand Wollfs Neueste Nachrichten aus dem Alten Dresden. 30 Jahre leitete er die DNN, 10 Jahre Faschismus trieben ihn in den Tod". In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 7.9.2013, S. 2; „"Puzzle mit vielen Leerstellen. Gurlitt soll auch ein Bild des früheren DNN-Chefredakteurs Julius Ferdinand Wollf gekauft haben". In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 23.12.2013, S. 7; Rafi Siano, "Eine Biografie oder späte Grabrede". Verfasst am 25. Januar 2016 in Haifa, Israel.