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Feiga Fanny Natowitz

Pestalozzistraße 17, Altstadt

HIER WOHNTE
FEIGA FANNY
NATOWITZ
GEB. WEINSIEDER
JG. 1888
INTERNIERT 1942
HELLERBERGE
DEPORTIERT 1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ



Weitere Stolpersteine in Pestalozzistraße 17:
Natowitz, Ignatz Isaak
Natowitz, Günter
Natowitz, Leonhart

Familie Natowitz

lgnatz Isaak Natowitz wurde am 26. September 1885 in Kalwaria in Polen geboren. Seine Ehefrau war Feiga Sofia, geb. Weinsieder. Sie wurde am 01. April1888 in Kolomea, damals Polen, heute Ukraine, geboren. Sie hatten zwei Kinder: Günter und Leonhard. Die Familie wohnte in der Holbeinstraße 11.
Ignatz Isaak Natowitz war als Chemigraph tätig. Am 20.01.1929 wurde er zum Gemeindeverordneten gewählt. Von 1930 bis 1932 engagierte er sich als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Jüdischer Händler und Angestellter Dresdens.
Das Ehepaar wurde in das „Judenhaus" Cranachstraße 6 eingewiesen. Am 23./24.11.1942 wurden Ignatz Isaak Natowitz und seine Frau Feiga Fanny Natowitz, geborene Weinsieder, in das ,,Judenlager Hellerberg" in Dresden deportiert.
Dieses Lager war von der Gestapo in Zusammenarbeit mit der Zeiss Ikon AG, der auch das Gelände gehörte, eingerichtet worden, um die knapp 300 noch in Dresden verbliebenen Juden dort zu internieren. Da das Lager in der Dr. Todt-Straße. (heute Radeburger Straße) knapp außerhalb der Stadtgrenze lag, galt Dresden ab dem 23.11.1942 als "judenrein" bzw. "judenfrei". Die Lagerinsassen verrichteten Zwangsarbeit in den der Zeiss Ikon AG gehörenden Goehle-Werken, wo sie Torpedozünder montieren mussten.
Am 1. März 1943 wurde das Lager zum Ersatzpolizeigefängnis erklärt und von der Bereitschaftspolizei bewacht. Nachdem am Abend des 2. März 1943 weitere 40 jüdische Gefangene aus Chemnitz sowie die noch in Dresden verbliebenen Angestellten der Jüdischen Gemeinde hinzugekommen waren, wurden die Lagerinsassen zum Bahnhof Dresden-Neustadt transportiert. Dort wurden die mehr als 300 Menschen leere Güterwaggons gezwungen. Am Abend des darauffolgenden Tages, des 3. März 1943, kam dieser Transport nach 24stündiger Fahrt ohne Essen und Trinken in Auschwitz Birkenau an. Die Männer wurden umgehend von Frauen und Kindern getrennt. Kinder und ältere Menschen beiderlei Geschlechts sowie die meisten Frauen wurden sofort nach der Ankunft in Auschwitz als nicht arbeitsfähig eingestuft, aussortiert und für den Tod in den Gaskammern bestimmt. Von den Menschen des Dresdner Transportes wurden weniger als 50 ins Lager eingewiesen, von denen 10 überlebten. Alle anderen wurden für die Ermordung aussortiert. Ignatz Isaak Natowitz, der zu diesem Zeitpunkt 57 Jahre alt war, und sein Frau Feiga Fanny, 55, wurden am 3. März vermutlich unmittelbar nach der Ankunft ermordet.

Ihr Sohn Günter Natowitz, geboren am 15.08.1922 in Dresden, feierte am 24.08.1935 seine Bar Mizwah. Im Jahr 1939 gelangte er mit dem Kindertransport in die Niederlande. Das bedeutete für ihn jedoch nicht die Freiheit. Er wurde interniert und nach Auschwitz deportiert. Günter Natowitz hatte die Häftlingsnummer 150744. Vom 15.01.1944 bis 28.01.1944 befand sich Günter Natowitz im Krankenbau. Von Auschwitz wurde er in das KZ Sachsenhausen deportiert. Dort wurde Günter am 23. April 1945 Natowitz befreit.

Leonhard Natowitz. Geboren am 11. Oktober 1914 in Dresden, war verheiratet mit Margot Sophie, geb. Höxter. Er schloss das Lehrerseminar in Würzburg ab und unterrichtete als Lehrer an der Jüdischen Schule in Dresden. Die Familie musste in das „Judenhaus" Cranachstraße 6 ziehen. Leonhard Herbert Natowitz und seine Frau Margot Sophie wurden, zusammen mit seinen Eltern, in das „Judenlager Hellerberg" in Dresden am 23./24.11.1942 deportiert, von dort wurden sie am 2. März 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Seine Eltern wurden unmittelbar nach der Ankunft ermordet, Leonhard und seine Frau wurden in das Lager eingewiesen. Er hatte die Häftlingsnummer 105486. Er musste größtenteils in der Kohlengrube arbeiten. Bei der Evakuierung des Lagers am 22. Januar 1945 gelangte er mit dem sogenannten Todesmarsch nach Buchenwald. Dort wurde er im April 1945 befreit. Sophie Margot Natowitz hatte in Auschwitz die Häftlingsnummer 37034. Sie konnte die Befreiung am 27.01.1945 in Auschwitz erleben.
Leonhard und Margot trafen sich in Dresden wieder und wanderten nach Amerika aus.

Stolpersteine in der Pestalozzistraße 17

Quellen: Buch der Erinnerung, Seite 261, Datenbank Yad Vashem, Bundesarchiv, Erinnerungen der Familie