Details

Fritz Richard Pöthig

Dresdner Straße 26, Wilsdruff

HIER WOHNTE
FRITZ RICHARD
PÖTHIG
JG. 1899
EINGEWIESEN 1944
LANDESANSTALT ARNSDORF
„VERLEGT“ 1944
HEILANSTALT
GROSSSCHWEIDNITZ
ERMORDET 8.6.1944



Weitere Stolpersteine in Dresdner Straße 26:
Pöthig, Johanna

Richard und Johanna Pöthig

Johanna (*1900) und Richard Pöthig (*1899) lebten als Verwalterehepaar in Keils Gut im Norden von Wilsdruff. Als das Gut an einen neuen Eigentümer verkauft wurde, verlor Richard Pöthig seine Anstellung, blieb aber mit seiner Frau und den beiden Söhnen, Karl-Heinz und Joachim, in Keils Gut wohnen. Johanna Pöthig arbeitete als Zugehfrau, Richard Pöthig fand eine Anstellung in einem Gußstahlwerk.
Im Verlauf des Jahres 1939 erlitt Richard Pöthig häufig epileptische Anfälle, weshalb er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen konnte. Diese Anfälle waren vermutlich eine Spätfolge seiner Kriegsverletzungen: Im Alter von 18 Jahren diente er beim Sächsischen Fußartillerieregiment 19. Er wurde während der Flandernschlacht verschüttet und erlitt eine Gasvergiftung. Im Januar 1944 wurde Richard Pöthig erstmals in die Landesanstalt Arnsdorf eingewiesen. Die weitere Unterbringung zu Hause wurde untersagt und die Anstaltsbehandlung als notwendig erklärt.
Mit der Einweisung wurden alle Krankengeldzahlungen eingestellt. Die Tatsache, dass Richard und Johanna Pöthig dem Naziregime kritisch gegenüberstanden, trug zur Verschärfung ihrer persönlichen Lage entscheidend bei. Nachdem beide Söhne eine Vorladung zu einer „erbgutachtlichen Untersuchung“ vor dem 16. Lebensjahr erhielten, musste Frau Pöthig der Zwangsscheidung zustimmen.
Im April 1944 wurde Richard Pöthig nach Großschweidnitz verlegt, wo er am 8. Juni 1944 verstarb. Ein Großteil der Patienten kam hier aufgrund von Medikamentenüberdosierung, systematischer Mangelernährung und unzureichender Pflege ums Leben. Am 16. Juni 1944 erfolgte die Einäscherung in Zittau. Danach sollte die Urne nach Dresden überführt werden. Johanna Pöthig erzog ihre Söhne allein in der Kriegs- und Nachkriegszeit und nahm nach dem Krieg noch ein Pflegekind auf.

Dresdner Straße 26, 01723 Wilsdruff

Quellen:

Angaben der Familie
Faulstich, Heinz (1988): Hungersterben in der Psychiatrie 1914–1949. Mit einer Topographie der NS-Psychiatrie. Freiburg: Lambertus-Verlag.
Melde- und Totenbuch sowie Patientenakte der Landesanstalt Großschweidnitz von 1944