Details

Else Auguste Seifert

Budapester Straße 69, Plauen

Hier lebte
Else Auguste
Seifert
Jg. 1902
seit 1928 Patientin
in verschiedenen
Heil- und Pflegeanstalten
'verlegt' 1940
Pirna-Sonnenstein
ermordet 28.8.1940
Aktion T4



Else Auguste Seifert wurde am 6. September 1902 in Hamburg geboren. Sie war die Tochter des Kaufmannes Heinrich Erdmann Richard Seifert (gestorben im Januar 1939) und seiner Frau Auguste Wilhelmine Seifert (gestorben um 1950). Else hatte einen jüngeren Bruder, Kurt Richard Seifert, geboren im Februar 1904. Die Familie zog während Elses Kindheit nach Hannover, wo das Mädchen das Lyzeum besuchte. Im Anschluss, während ihres 17./18. Lebensjahres, war Else ein Jahr in "Haushaltspension", wahrscheinlich ebenfalls in Hannover. Danach absolvierte sie eine Ausbildung zur Kunst- und Werklehrerin, davon zwei Jahre in Berlin und ein Jahr an der Werklehrschule in Hildesheim. Die Eltern zogen in den 1920er Jahren nach Dresden. Die Tochter besuchte sie oft. Nach Ausbildungsende arbeitete die junge Frau als Vertretungslehrerin an verschiedenen Schulen in Norddeutschland, so in Hannover, Peine (1925/26) und Osnabrück. Ab April 1927 konnte sie eine feste Stelle als Zeichenlehrerin in Stettin (heute Polen) antreten. Ende 1928 wurde sie mit einer scheinbar psychischen Erkrankung auffällig und musste nach einem Besuch bei ihren Eltern in Dresden in die dortige Nervenheilanstalt eingeliefert werden. Dort wurde die Diagnose Schizophrenie gestellt. Laut Patientenakte habe Else Auguste Seifert nach der Rückkehr aus der Haushaltspension ein verändertes Wesen gezeigt, ihre Berufsausbildung und die Tätigkeit in den Schulen habe sie jedoch ohne Schwierigkeiten absolviert.
Nach einem einjährigen Aufenthalt im Sanatorium Kahlbaum in Görlitz (Februar 1929 bis Februar 1930) wurde Else Auguste Seifert in die Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf verlegt, wo sie später aufgrund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses zwangssterilisiert wurde und den Rest ihres Lebens verbrachte. Die Eintragungen in der Patientenakte lassen vermuten, dass ihr Aufenthalt von Verlegungen, Fixierungen sowie teilweise isolierter Unterbringung geprägt war. Am 28. August 1940 wurde Else Auguste Seifert im Rahmen der Aktion T4 nach Pirna-Sonnenstein transportiert und dort am selben Tag vergast.
Seit dem 26. Oktober 2012 erinnert ein Stolperstein vor dem früheren Standort ihres Eltern-Wohnhauses auf der Budapester Straße 69 an sie. Paten des Steines sind die Familienangehörigen von Else Auguste Seifert.
(Autorin: Antje Fricke, Oktober 2012)

Quellen:
Angaben der Familie, insbesondere der Großnichte Antje Fricke
Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein