Bruno Gimpel
Mendelssohnallee 10, BlasewitzHIER WOHNTE
BRUNO GIMPEL
JG. 1886
BERUFSVERBOT 1935
FLUCHT IN DEN TOD
28.4.1943
Weitere Stolpersteine in Mendelssohnallee 10:
Gimpel, Irene
Bruno Gimpel wurde am 14. Januar 1886 in Rostock geboren und blieb seiner Geburtsstadt ein Leben lang verbunden. Er stammte aus einer Rostocker Kaufmannsfamilie. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler studierte er an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf und kam 1911 als Meisterschüler nach Dresden. Gimpels frühe Arbeiten hatten Einflüsse des Jugendstils. Gimpel zog 1921 endgültig nach Dresden und begann sich auf Gebrauchsgrafik zu konzentrieren. In der Folge arbeitete er als Maler, Werbegrafiker und Plakatgestalter. Er pflegte den Kontakt zur Künstlergemeinschaft "Brücke" und war Vorsitzender der Dresdner Ortsgruppe des Bundes Deutscher Gebrauchsgrafiker. Gimpel war auch politisch interessiert und Mitglied der SPD. Am Leben der Jüdischen Gemeinde nahm er aktiv Anteil. Ab 1923 war er mit der Musikerin Irene Herzing verheiratet. Sein bekanntestes Werk, "Meine Frau mit Laute" von 1930, befindet sich seit 1980 in der Galerie Neue Meister. Bruno Gimpel hatte sich als deutscher Patriot freiwillig zum Dienst als Krankenpfleger im Ersten Weltkrieg gemeldet.
Seine Funktion im Bund Deutscher Gebrauchsgrafiker musste Gimpel schon 1933 abgeben. Zwei Jahre später erhielt er Berufsverbot. Es blieben ihm nur noch Arbeiten im Rahmen der Jüdischen Gemeinde: Er wirkte am Gemeindeblatt mit, gab Kindern z. B. im Kinderheim Porschendorf Zeichenunterricht und zeichnete 1938 die Dresdner Semper-Synagoge. Als Kupferstich vervielfältigt, wurde die Zeichnung jenen Gemeindemitgliedern mitgegeben, die Dresden verließen. 1936 hatte Bruno Gimpel während einer Reise versucht, seine Emigration nach Schweden vorzubereiten, was jedoch misslang.
1943 musste Gimpel - wie Victor Klemperer - Zwangsarbeit in die Teefabrik Willy Schlüter verrichten. Die zunehmende Erblindung eines Auges, wiederholte Verhaftungen und Verhöre, die ständigen Schikanen gegen seine nichtjüdische Ehefrau, die sich nicht hatte scheiden lassen, die bevorstehende Ausweisung aus seinem Zuhause in der heutigen Mendelssohnallee 10 sowie schließlich die angedrohte Deportation in die Vernichtungslager hatten an seinem Lebensmut gezehrt. Die vermutliche Ermordung seines Freundes Heinrich Conradi, eines Bakteriologen und Professors an der TH Dresden am 26. April im Polizeigefängnis, war der endgültige Auslöser für Gimpels Freitod. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Israelitischen Friedhof an der Fiedlerstraße. In seinem Tagebuch hielt Victor Klemperer am 1. Mai 1943 fest: "Der Maler Bruno Gimpel war allen sympathisch, und er ist nicht ganz ein Opfer der Gestapo; er stand vor der Erblindung, er hing wohl nicht mehr fest am Leben, und als er nun seine Wohnung aufgeben sollte und unter dem Druck der Mordfälle in seiner nächsten Nähe – Conradi saß bei Schlüter neben ihm, sie plauderten den ganzen Tag – öffnete er in Abwesenheit seiner arischen Frau den Gashahn." Der Grabstein der beiden ist bis heute auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden erhalten. Die Erinnerung an Bruno Gimpel wird unter anderem durch die „Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Kultur und Geschichte“ im Rostocker Max-Samuel-Haus wachgehalten.
Der Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V. spendete 2019 den Stein für Bruno Gimpel.
Quellen:
Stadtwiki Dresden: "Bruno Gimpel" https://www.stadtwikidd.de/wiki/Bruno_Gimpel [30.11.19]
Stiftung Sächsische Gedenkstätten: "Bruno Gimpel (1886-1943)" https://www.stsg.de/cms/stsg/bruno-gimpel [30.11.19]
Tiedemann, Klaus: "Der Maler und Grafiker Bruno Gimpel (1886-1943)", in: Medaon Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung, Heft 1, 2007. [30.11.19]
Putzpate:
bereits vergeben
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