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Amalie Esser

Behrischstraße 32, Blasewitz

HIER WOHNTE
AMALIE ESSER
JG. 1889
SEIT 1928 IN MEHREREN
HEILANSTALTEN
´VERLEGT` 27.9.1940
PIRNA-SONNENSTEIN
ERMORDET 27.9.1940
´AKTION T4`



Amalie Esser wurde am 26. August 1889 als wahrscheinlich dreizehntes von 14 Kindern in Berlin geboren. Ihr Vater Johann Karl Emanuel war Kürschnermeister – ein jähzorniger Trinker. Die Mutter hieß Henriette Wilhelmine Friedericke, geborene Paul. Beide Eltern waren evangelischer Konfession, Amalies Konfession wird später mit „Dissident“ angegeben. Amalie war ledig und hatte keine Kinder, war aber kurze Zeit mit einem Buchhändler verlobt. Nach dem Besuch der Handelsschule, wo ihr ein großer Bildungshunger, Begabung und lebhaftes Interesse bescheinigt wurden, arbeitete sie als Korrespondentin. Während des 1. Weltkriegs war sie am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie als Sekretärin angestellt, danach als Bürovorstand einer Versicherung. In der Revolutionszeit 1918/19 arbeitete sie als Parteisekretärin der KPD in der russischen Handelsvertretung. Diese wurde 1924 aufgelöst und somit ihre Stelle abgebaut. Sie war lange Zeit arbeitslos. Das lag zum einen an ihrer politischen Einstellung, sie schlug aber auch Stellen aus mangelndem Selbstwertgefühl aus. Zu dieser Zeit lebte sie von der Unterstützung einer Freundin und galt als lesbisch. 1927 endlich wurde sie Redakteurin beim „Hamburger Fremdenblatt“, einer der bedeutendsten Tageszeitung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

1927 erlitt Amalie einen Zusammenbruch, es folgte vom 29. Juli 1928 bis 15. Februar 1929 ein Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik der Charité Berlin. Sie fühlte sich beobachtet, verfolgt und belästigt und glaubte gar, man wolle sie ermorden. Ihr wurde Unruhe, Gereiztheit, Gewalttätigkeit und Antriebslosigkeit bescheinigt und häufig brach sie auch in triebhafte Aggressionen aus.

Anfang 1933 zog Amalie nach Dresden in die Behrischstraße 32 als Untermieterin zur Witwe Emma Maiwald. Sie arbeitete als freie Redakteurin. Gelegentlich wurden Beiträge von ihr in der Dresdner Volkszeitung veröffentlicht.

Von Anfang Juni bis zum 23. Dezember 1933 wurde sie auf dem Münchner Platz in Schutzhaft genommen. Auf Grund einer Begnadigung wurde sie entlassen, stand aber weiter unter polizeilicher Aufsicht. Vom 3. Januar bis 20. April 1934 wurde sie in das Stadtkrankenhaus Löbtauer Straße wegen deutlichen Zügen der Verschrobenheit, Verfolgungswahn, Halluzinationen und Aggressivität aufgenommen. In flüchtigen Augenblicken erkannte sie ihre Lage klar, war davon gequält und weinte bitterlich darüber. In ihrer Krankenakte steht, dass sie unter dem Einfluss von Bedeutungserlebnissen und Beeinflussungsgefühlen stand, welche sie zu Tätlichkeiten auf ihre Umgebung treiben und sie in diesem Zustand für sich und andere gefährlich machen.

Mit der Diagnose Schizophrenie wurde sie am 20. April 1934 in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf überwiesen. Dort half sie bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und fertigt kleine kunstgewerbliche Arbeiten an. Ab Juli 1939 bekam sie auf Grund einer positiven Einschätzung ihres behandelnden Arztes täglich eine Stunde freien Ausgang.

Am 29. September 1940 wurde sie – wie so viele Patienten der Arnsdorfer Anstalt – nach Pirna-Sonnenstein verbracht und dort am gleichen Tag ermordet.

Das Schicksal von Amalie Esser wurde von Tine Rahel Völcker in dem Buch und Theaterstück „Frauen der Unterwelt“ verarbeitet.

Der Stolperstein wurde von der ev.-luth. Kirchgemeinde Dresden-Blasewitz initiiert.

Die Biografie recherchierten Petra Kircheis und Manina Dageför.

 

Quellen:

Patientenkarteikarte Arnsdorf für Amalie Esser, Medizinisches Archiv des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf

Archiv der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein

Historische Adressbücher Dresden, JG 1933 https://digital.slub-dresden.de

Tine Rahel Völcker: Frauen der Unterwelt, Edition Assemblage, Münster, 2021, ISBN 978-3-96042-109-2



Putzpate:
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